Jürgen Grimm, Ulrike Hass, Guido Hiss (Hgg.)

Theater über Tage – 2004

Jahrbuch für das Theater im Ruhrgebiet

2004, 280 Seiten, 40 Beiträge, 42 Abbildungen, broschiert
2004, 280 pages, 40 essays, 42 figures, paperback

ISBN 978-3-930454-48-8
Preis/price EUR 18,80

14,8 × 21cm (B×H), 500g

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Kurzzusammenfassung / short summary:

THEATER ÜBER TAGE richtet sich an alle Freunde des Theaters, an alle am Theater Interessierten, an Spielende und Schauende, an Studierende und Lehrende und nicht zuletzt an diejenigen, die kulturpolitisch mit dem Theater befasst sind. Es widmet sich dem Besonderen, dem Aufstörenden, dem Fragwürdigen in bewusst subjektiver Perspektive. Nicht die Bewertung der ausgewählten Produktionen steht dabei im Vordergrund, sondern die Reflexion und die Intensivierung der öffentlichen Diskussion. Das Jahrbuch versteht sich in diesem Sinne als Ergänzung und Korrektiv zum Tagesgeschäft der Kritik. Als Forum für aktuelle Theaterentwicklungen will es zugleich die flüchtigste aller Künste bewahren helfen, als sein Gedächtnis und lebendiges Archiv: THEATER ÜBER TAGE.

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Pressetext der Universität Bochum:

In der Entlassung Frank Castorfs als künstlerischem Leiter der Ruhrfestspiele sehen die Bochumer Theaterwissenschaftler einen »Angriff auf die Zukunft«. »Im größten Debakel der Theatersaison 2003/04 prallten Ansprüche auf Gestaltung des Ruhrgebiets unversöhnlich aufeinander«: Gescheitert im Spannungsfeld zwischen »postindustrieller Landschaft« und »innovativer Kulturregion« konnte Castorf die »Liebhaber der Industriekultur« nicht erreichen, »das traditionelle Gewerkschaftspublikum blieb zuhause«. Dem »Fall Castorf«, der die Spielzeit überschattete, ist der Schwerpunkt im Jahrbuch »Theater über Tage« gewidmet, das soeben im Rhema-Verlag erschienen ist. Herausgeber sind Prof. Dr. Ulrike Haß und Prof. Dr. Guido Hiß (Institut für Theaterwissenschaft der RUB) sowie Prof. Dr. Jürgen Grimm (Universität Münster).

Theater, Kultur und Region
Das Jahrbuch »Theater über Tage« widmet sich den Bühnenereignissen einer der vielfältigsten deutschen Theaterlandschaften – jedoch nicht als bloße Rekapitulation des Gespielten, sondern stets mit dem Anspruch, »das Verhältnis von Theater, Kultur und Region neu zu bedenken«, wie die Herausgeber schreiben. So geht es neben den herausragenden Ereignissen »RuhrTriennale« und »Ruhrfestspiele« auch um einzelne Inszenierungen und Projekte der Stadttheater, des Freien Theaters, des Figurentheaters und der Oper: »Theater über Tage möchte die flüchtigste aller Künste bewahren helfen und zugleich dazu beitragen, die öffentliche Auseinandersetzung um das Theater in der Region zu intensivieren.«

Erstmals mit Düsseldorf
Mit einem neuen Verlag im Rücken und im überarbeiteten Layout präsentieren die Herausgeber auch erstmals einen »Blick über den Tellerrand« – nach Düsseldorf: »Nicht nur als ›Schreibtisch des Ruhrgebiets‹ agiert die Landeshauptstadt, sondern auch ihre Bühnen wirken in die unmittelbare Nachbarschaft hinein«, so Hiß, Haß und Grimm.

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Die Autoren und ihre Beiträge:

Editorial

I. Schauspielhaus Bochum

Meike Siegfried:
Das Meer, das Bootshaus und ein paar Menschen –
Dieter Giesing inszeniert die deutschsprachige Erstaufführung von Jon Fosses Schönes in den Kammerspielen

Kay Philipp Baronowsky:
Der Ritt des Theaterhäuptlings Kruzy Horse auf der Messerklinge durch den andalusischen Traumwald –
Jürgen Kruse traktiert den surrealistischen Mythos: Federico García Lorcas Bluthochzeit in den Kammerspielen

Jürgen Grimm:
Pathos in Styropor –
Racines Andromache in der Inszenierung von Niklaus Helbling in den Kammerspielen

Bianca Henne:
»I'm a German spy, you know?« –
David Lindemanns Koala Lumpur in der Regie von Wilfried Minks in den Kammerspielen

II. Theater Dortmund

Jürgen Grimm:
»Pinter? – Proust? – Pinter!« oder »Die Aktualität der wiedergefundenen Zeit« –
Hermann Schmidt-Rahmer inszeniert Harold Pinters Auf der Suche nach der verlorenen Zeit nach Marcel Proust

Ina Siemen:
Achtung, Revolution! –
Michael Gruner inszeniert Arthur Schnitzlers Groteske Der grüne Kakadu

III. Schauspiel Essen

Barbara Malina:
»Bei mir bist du schön« –
Richard Alfieris Sechs Tanzstunden in sechs Wochen und Albert Espinosas Vier Tänze

Christine Brückner:
»Außerdem glaube ich, in einem Theaterstück muss unbedingt die Liebe vorkommen« –
Tschechows Die Möwe am Schauspielhaus Bochum und am Schauspiel Essen

IV. Düsseldorfer Schauspielhaus

Monika Martincevic:
Schall und Wodka und die Sehnsucht nach einem anderen Leben –
Jürgen Gosch inszeniert Maxim Gorkis Sommergäste

Rita Thiele:
Russland ist schließlich weit weg –
Ein Produktionsbericht zu Jürgen Goschs Sommergästen

Christina Schmidt:
Wozu Helden? –
Patrick Schlössers Inszenierung von Schillers Die Jungfrau von Orleans

Daniel Kasselmann:
Rhetorische Ellenbogenkämpfe im Messebiotop –
Burkhard C. Kosminski inszeniert Kathrin Rögglas wir schlafen nicht

Christian Claas:
Rotwein und Brot zum Frühstück –
Anna Badora inszeniert Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenuntergang

V. Schlosstheater Moers

Stefan Keim:
Die Stadt ins Theater, das Theater in die Stadt –
Die erste Spielzeit des neuen Intendanten Ulrich Greb

VI. Theater an der Ruhr

Fabian Lettow:
Poetik und Politik des Bildes –
Roberto Ciulli und Helmut Schäfer inszenieren Die Wände von Jean Genet

Ulrike Haß:
Orte und Nicht-Orte –
Laudatio zur Verleihung des Ruhrpreises für Kunst und Wissenschaft 2003 an Gralf-Edzard Habben

VII. Theater Oberhausen

Guido Hiß:
Katastrophale Gewinner –
Johannes Lepper inszeniert Kleists Hermannsschlacht

Jörg Albecht:
Was in die Augen sticht, was zur Raserei einlädt –
Johannes Lepper inszeniert Ödipus

Mike Hiegemann:
»Ist jemand Vegetarier?« –
Werner Schwabs Abfall, Bergland, Cäsar – Eine Menschensammlung in der Inszenierung von FM Einheit –
Ein Außenprojekt des Theaters Oberhausen in Zusammenarbeit mit den internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen und dem Ebertbad

VIII. Westfälisches Landestheater Castrop-Rauxel

Anna-Sophia Buck:
»And no more shall we part« –
Oscar Wilde: Salome. Catharina Fillers lässt in Castrop-Rauxel den Kopf rollen

IX. Musik- und Tanztheater

Kathrin Horster:
»Wo sind all die Kinder hin?« –
Eine Balletturaufführung am Aalto-Theater Essen, nach Motiven von Edward Bonds gleichnamigem Drama Die Kinder

Roland Alexander Ißler:
Königlich brillanter Belcanto zwischen Liebesleidenschaft und Staatsraison – ein Beitrag zur Musikgeschichte –
Über die deutsche Erstaufführung von Gaetano Donizettis Tragedia lirica Rosmonda d'Inghilterra im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Roland Alexander Ißler:
La bontà in trionfo, ossia – Manege frei für eine farbenfrohe Märchenoper! –
Gioacchino Rossinis La Cenerentola im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Bernhard F. Loges:
Inszenierungen des Todes –
Dietrich Hilsdorf inszeniert Puccinis Il trittico an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg

Ulrich Prill:
Rokoko, zweifach gebrochen –
Der Rosenkavalier an den Städtischen Bühnen Münster und im Opernhaus Dortmund

X. Mülheimer Theatertage

Ulrike Haß und Alex Klein:
Sprechen und Verschwinden –
29. Mülheimer Theatertage: Stücke 2004

XI. Figuren- und Objekttheater

Chris Wahl:
Die Inszenierung des Submedialen –
FIDENA 2004: Ansätze zu einer integralen Kunst

Anke Meyer:
Adler und Adieu –
Figurentheater beim 20. Kinder- und Jugendtheatertreffen NRW in Gelsenkirchen

XII. Freies Theater

Meike Hinnenberg:
Im Namen des Vaters –
Johanna und [fi'lo:tas] beim Impulse-Festival

XIII. Ruhrfestspiele Recklinghausen

Rolf C. Hemke:
Einmal Castorf und zurück –
Chronologie einer angekündigten Verunsicherung: Die Ruhrfestspiele 2004

Sebastian Kirsch:
Im Westen geht die Sonne auf –
Frank Castorf inszeniert Frank Norris' Roman Gier nach Gold

Kim Stapelfeldt:
Keine Angst vor Pollesch –
René Pollesch zeigt Pablo in der Plusfiliale im Rahmen der Ruhrfestspiele

No Fear? – Fear Now! –
Zum Fall Castorf in Recklinghausen

Holger Bergmann:
Zwischen Industriekultur und Kulturindustrie

Jürgen Flimm

Sabine Reich:
Frisch gewaschen

XIV. RuhrTriennale

Guido Hiß:
Der kleine Prinz und das Bett –
La Fura dels Baus inszeniert die Zauberflöte in der Bochumer Jahrhunderthalle

Rolf C. Hemke:
Afrikanischer Rosenkranz –
Uraufführung von Peter Brooks theatraler Recherche Tierno Bokar bei der RuhrTriennale in Duisburg

Nikolaus Müller-Schöll:
Der Überlebenskampf als ästhetisches Erlebnis –
Ariane Mnouchkine und das Théâtre du Soleil gastieren mit Le dernier Caravansérail (Odyssées) in der Bochumer Jahrhunderthalle

XV. Interregio

Eric Alexander Hoffmann:
Lost in translation. Lost in isolation –
Pina Bauschs neues Japan-Stück erlebt im Schauspielhaus Wuppertal seine Uraufführung

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