Angela Kühnen

Die imitatio Alexandri in der römischen Politik

(1. Jh. v.Chr. – 3. Jh. n.Chr.)

2008, 304 Seiten, 28 Abbildungen, Leinen/Schutzumschlag
2008, 304 pages, 28 figures, cloth/jacket

ISBN 978-3-930454-73-0
Preis/price EUR 42,–

17 × 24cm (B×H), 500g

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung (Auszug)
Schlussbetrachtung (Auszug)

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

1. Einleitung

2. Darstellungen Alexanders des Großen und römischer Kaiser mit der Ägis

2.1 Alexander und die Ägis
2.2 Alexander und der Blitz
2.3 Alexander und Athena Promachos
2.4 Darstellungen römischer Kaiser mit Ägis

3. Diachrone Betrachtung der numismatischen Zeugnisse für die Alexander-Angleichung römischer Kaiser

4. Pompeius

4.1 Die frühe imitatio Alexandri
4.2 Die ikonographische Darstellung
4.3 Der Magnus-Titel
4.4 Der Feldzug im Osten
4.5 Fazit

5. Caesar

5.1 Die literarischen Zeugnisse
5.2 Die ikonographische Darstellung
5.3 Caesars letzte Pläne
5.4 Fazit

6. Marcus Antonius

6.1 Antonius als Nachahmer des Herakles
6.2 Löwendarstellungen auf Münzen des Antonius
6.3 Antonius als Νεοσ Διονυσοσ
6.4 Die Politik des Antonius im Osten
6.5 Fazit

7. Octavian-Augustus

7.1 Die Auseinandersetzung mit Antonius
7.2 Die Zeit nach Actium
7.3 Augustus und die zeitgenössische Literatur
7.4 Fazit

8. Die julisch-claudischen Herrscher nach Augustus

8.1 Tiberius
8.2 Germanicus
8.3 Caligula und Claudius
8.4 Nero
8.5 Fazit

9. Die flavische Dynastie

9.1 Vespasian und Titus
9.2 Domitian
9.3 Fazit

10. Trajan

10.1 Die ikonographische Darstellung
10.2 Die literarischen Zeugnisse
10.3 Fazit

11. Die Antoninen

12. Die severischen Kaiser

12.1 Septimius Severus
12.2 Caracalla
12.2.1 Die frühe imitatio Alexandri
12.2.2 Die literarischen und inschriftlichen Zeugnisse
12.2.3 Caracallas Aufenthalt im Osten
12.2.4 Die ikonographische Darstellung
12.3 Severus Alexander
12.4 Fazit

13. Die sogenannten Soldatenkaiser im Überblick

13.1 Gordian III.
13.2 Philippus Arabs und Philippus II.
13.3 Valerian und Gallienus
13.4 Aurelian
13.5 Probus
13.6 Fazit

14. Schlussbetrachtung

Katalog

Literaturverzeichnis

1. Zentrale Quellen
2. Sekundärliteratur

Personen- und Sachregister

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Einleitung (Auszug)

Nicht nur in der Antike hat Alexander der Große die Phantasie der Menschen angeregt. Seine Gestalt hat bis in unsere Gegenwart hinein ihre Faszination behalten wie die gewaltige moderne Literaturfülle, aber auch die jüngsten Filme und Filmprojekte zeigen. Schon zu Lebzeiten des Makedonenkönigs bildeten sich Legenden um seine Person, die nicht nur bei den Griechen und Römern, sondern auch im späteren Europa und im nachantiken Osten ihre Fortsetzung fanden. Vom »Mythos Alexander« zu sprechen, ist daher schon zu einem Topos geworden. Bereits in der Zeit unmittelbar nach seinem Tod versuchten hellenistische Herrscher, sich durch eine Anknüpfung an ihn zu legitimieren. Den unterschiedlichen Formen dieser Anknüpfung ist C. Bohm in ihrer 1989 publizierten Dissertation nachgegangen. Auch in der römischen Epoche findet sich für die Zeit der ausgehenden Republik bis in die Spätantike eine große Bandbreite an Möglichkeiten der Alexander-Nachahmung. Im Vordergrund standen dabei in der Regel nicht mehr die historische Person und die Ereignisse als solche, sondern partielle Aspekte des Mythos, die für die aktuelle Gegenwart von Bedeutung waren. Die Figur Alexander konnte dabei sowohl positiv als auch negativ bewertet sein. Für die Zeit der römischen Republik, in der rex oft mit tyrannus gleichgesetzt wurde, scheint eine Anknüpfung an Alexander besonders außergewöhnlich. Um so mehr überrascht es, wenn sich gerade in dieser Zeit eindeutige Indizien einer imitatio Alexandri finden lassen.

Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung ist die Zeit der ausgehenden römischen Republik und die gut dokumentierte Anknüpfung an Alexander durch Cn. Pompeius Magnus. Wie A. Dreizehnter zu Recht hervorgehoben hat, sollte eine Studie zur römischen Rezeption Alexanders des Großen bei Pompeius ansetzen, »weil sich durch seine Alexander-Nachahmung bestimmte Formen römischer Alexander-imitatio herausgebildet haben«. Ähnlich äußerte sich E. Badian: »It is fair to say that attested ›imitatio Alexandri‹ in Rome was born only when young Cn. Pompeius was told that he bore a resemblance to the great Macedonian and liked the idea.«. Schon bei Scipio gibt es gewisse Vorstufen, die aber mehr im Bereich der Legendenbildung und der comparatio Alexandri liegen. Von einer imitatio Alexandri kann bei Scipio nicht gesprochen werden.

In der Forschung haben sich zahlreiche Arbeiten seit Beginn des letzten Jahrhunderts mit der Alexander-Imitatio führender Römer und mit dem Bild Alexanders in der Antike befasst. Die historisch-politische Wirkung der Alexander-Imitatio in der römischen Geschichte wurde zum ersten Mal von A. Heuß genauer untersucht. Bis dahin hatte es zwar schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts einige größere Untersuchungen über das Alexander-Porträt in der griechischen und römischen Literatur gegeben, zu nennen wären hier die Arbeiten von W. Hoffmann (1907), F. Weber und L. Eicke (beide 1909), aber diese Studien waren vorwiegend philosophisch-literarisch ausgerichtet. A. Heuß beschäftigte sich als erster mit der Frage, wie die Römer Alexander sahen und warum er einen so großen Einfluss auf die führenden Männer ausgeübt hat. Die Dissertation von J.B. Nadell (1959) war bis zu der Arbeit von O. Weippert (1972) die einzige umfassende Darstellung zu diesem Thema. Ihre historische Interpretation und Analyse der unterschiedlichen Beweggründe für eine Nachahmung Alexanders des Großen durch römische Feldherrn und Kaiser bleibt jedoch an der Oberfläche. Auch D.R. Cunningham bietet in seiner Dissertation von 1971 keine neuen Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Gleiches gilt für eine Reihe von jüngeren Aufsätzen vor allem spanischer Forscher, die sich mit Alexander als Vorbild für römische Kaiser beschäftigen. Aus archäologischer Sicht wurde die imitatio Alexandri erstmals von D. Michel untersucht. Im Zentrum der zuletzt erschienenen größeren Studie über die Beziehungen der Römer zu Alexander von D. Spencer stehen ausgewählte literarische Texte lateinischer Autoren. Obgleich sich hierin interessante Beobachtungen finden lassen, führt gerade diese Untersuchung eines begrenzten Quellencorpus deutlich vor Augen, dass für eine differenzierte Analyse und Bewertung der römischen Rezeption Alexanders des Großen das Spektrum der zu untersuchenden Quellen und Quellengattungen möglichst breit gewählt werden sollte.

Neben einer möglichst großen Bandbreite des Quellenmaterials ist jedoch auch eine genaue Begriffsbestimmung für eine detaillierte Analyse erforderlich. Die Studie von O. Weippert zur Alexander-Imitatio enthält zwar eine ausführliche Materialsammlung und bietet eine gründliche Auseinandersetzung mit anderen Untersuchungen zu diesem Thema. Was er jedoch vernachlässigt hat, ist eine differenzierte Definition des Begriffs imitatio. Erst durch einen solchen Maßstab ist eine genaue Auswertung der Quellen überhaupt möglich. Als erster hat sich P. Green mit einer genaueren Differenzierung des Begriffs imitatio Alexandri beschäftigt. Seine Definition einer imitatio sei deshalb dieser Arbeit vorangestellt.

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Schlussbetrachtung (Auszug)

In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, durch eingehende Prüfung der schriftlichen wie der bildlichen Quellen die imitatio Alexandri für Feldherrn und Kaiser vom ersten Jahrhundert v.Chr. bis zum ausgehenden dritten Jahrhundert n.Chr. herauszuarbeiten und zu bewerten. Neben der imitatio wurden die Kategorien aemulatio und comparatio Alexandri zum Vergleich herangezogen. Ein Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Erforschung der persönlichen und politischen Motive der einzelnen Machthaber. Ebenso sollte durch die Analyse der unterschiedlichen Quellengattungen festgestellt werden, an welche Adressaten sich die imitatio Alexandri richtete und welcher Erfolg ihr beschieden war.

In der römischen Republik, einer Zeit, in der rex oft mit tyrannus gleichgesetzt wurde, war es nur unter besonderen Bedingungen möglich, an Alexander anzuknüpfen. Das beste Beispiel hierfür ist Pompeius, dessen gut dokumentierte imitatio Alexandri von ihm im Kampf gegen Mithridates eingesetzt wurde. Er schlug den pontischen König damit auf seinem eigenen Territorium mit eigenen Waffen, da dieser den Kampf gegen die Römer als »neuer Alexander« geführt hatte. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass die historische Figur Alexander der Große längst zum Mythos geworden war, der sich im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr verselbständigt hatte. Diese Entwicklung, die bereits mit dem Tode Alexanders eingesetzt hatte, blieb zunächst auf die griechische Welt begrenzt. Im Verlauf des dritten Mithridatischen Krieges änderten sich die Rahmenbedingungen jedoch derart, dass nunmehr auch ein römischer Feldherr sich Alexander zum Vorbild nehmen konnte. Sehr gut ablesbar ist dies am Verhalten des Pompeius im Osten. In Rom erlaubte ihm nur die Ausnahmesituation eines Triumphzuges sich unchiffriert als neuer Alexander zu präsentieren.

Auch für Antonius, dessen Einflussbereich nach dem Sieg über Brutus und Cassius vor allem im Osten lag, war die Assoziation mit Alexander ein Bestandteil seiner Politik. Hierin unterschied er sich von Caesar, der zwar von den Zeitgenossen immer wieder mit Alexander verglichen wurde, für den jedoch ein bewusster Rückgriff auf den Makedonenkönig nicht auszumachen ist. Selbst ein Octavian, der gegen Antonius und Kleopatra gekämpft hatte, meinte im Osten insbesondere in Alexandria gewinnbringend auf Alexander als Vorbild zurückgreifen zu können. In Anlehnung an ihn konnte er sich als Weltherrscher fühlen. Deutlich wird dies insbesondere durch die Verwendung eines Siegelrings mit dem Bild Alexanders. Eine Reflektion der Einstellung des Augustus zum Makedonenkönig finden wir in den Werken der zeitgenössischen Literatur, in der die für Alexander typische Phraseologie Verwendung findet. Der gezielte Einsatz einer Anlehnung an Alexander durch den ersten Prinzeps war prägend für die politische Instrumentalisierung der Figur Alexanders des Großen durch seine Nachfolger.

...

Eine Sonderstellung unter den römischen Verehrern Alexanders des Großen nimmt Caracalla ein, der offenbar schon in seiner Jugend, in der Zeit des sogenannten Zweiten Partherkrieges seines Vaters Septimius Severus, mit Alexander in Verbindung gebracht wurde. Später als er seinen eigenen Partherfeldzug führte, fand die imitatio während seines Zuges durch die Ostprovinzen ihren Höhepunkt und nahm ganz neue Formen an. Die Selbstdarstellung des Kaisers wurde in den Städten des Ostens verstanden und bereitwillig aufgegriffen. Auch nach Caracalla blieb die imitatio Alexandri für römische Kaiser, die einen Feldzug gegen Parther oder Sasaniden führten bzw. planten, attraktiv. Die Zielgruppen der kaiserlichen Repräsentation waren weiterhin vorrangig in den griechischsprachigen Gebieten zu finden. Vor diesem Hintergrund ist etwa auch der imitatio Alexandri Gordians III. Verständnis abzugewinnen. Wie die numismatischen Zeugnisse belegen, bediente sich auch der Usurpator Uranius Antoninus von Emesa 253/254 n.Chr. der Möglichkeit der ikonographischen Alexander-Angleichung wohl mit der Absicht, den Verteidigungswillen der Bevölkerung angesichts der vorrückenden Perser zu erhöhen.

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Rezensionen:

»[...] eine aktuelle Bestandsaufnahme und Überblicksdarstellung der Quellen zur römischen Alexanderrezeption«.

»[...] bietet vor allem Themeneinsteigern Anhaltspunkte für die Beschäftigung mit den Alexanderfiguren in Rom«.

Sabine Müller, Online-Rezension in: www.hsozkult.de

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