Frank Pohle

Glaube und Beredsamkeit

Katholisches Schultheater in Jülich-Berg, Ravenstein und Aachen (1601–1817)

Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme –
Schriftenreihe des Sonderforschungsbereichs 496
Band 29

2010, 1128 Seiten, 5 Abbildungen, 4 Karten, Harteinband
2010, 1128 pages, 5 figures, 4 maps, hardcover

Ausgezeichnet mit dem Friedrich-Spee-Förderpreis

ISBN 978-3-930454-94-5
Preis/price EUR 98,–

17 × 24cm (B×H), 2050g

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Aus dem Inhalt / from the book:

Kurzzusammenfassung
Inhaltsverzeichnis
Einleitung (Auszug)
Fazit (Auszug)


Kurzzusammenfassung:

Seit langem erfreut sich das Schultheater an den Gymnasien der frühen Neuzeit eines gewissen Forschungsinteresses. Ordensgemeinschaften wie die Jesuiten, Franziskaner, Benediktiner u.a.m. etablierten das Schultheater als Bestandteil der pädagogisch-rhetorischen Praxis und brachten Stücke in einem Umfang und in einer Kontinuität auf die Bühne, die in der Literaturgeschichte einzigartig ist. Für das katholische Schultheater in Nord- und Nordwestdeutschland bestehen allerdings Forschungsdefizite: Die zentrale Forschungsliteratur stammt hier zumeist aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, wesentliche Quellen sind bislang kaum ausgewertet.

Dieses Buch setzt bei dieser Forschungslücke an. Dabei stehen weniger die »großen Autoren« des katholischen Schultheaters und ihr persönlicher Gestaltungswille und auch nicht eine Schulbühne allein im Mittelpunkt, sondern die Produktionen der Schulbühnen in ihren zahlreichen, flächendeckend verbreiteten Zeugnissen. Gefragt wird nach »Gattungen« dieses Theaters, nach ihren Grundlagen im Schulbetrieb, nach ihren Wirkungen auf Akteure und Zuschauer, auf die Bedeutung dieser Dramen für den Konfessionalisierungsprozess sowie nach Unterschieden ihrer Ausprägung im Hinblick auf Zeit (Periodisierung) und Raum (Provinz und Zentrum, Stadt und Land). Ein Schwergewicht der Untersuchung liegt quellenbedingt auf den letzten 100 Jahren des frühneuzeitlichen katholischen Schultheaters, die von der Forschung bislang nur wenig behandelt wurden.

Die Untersuchungen werden in einem territorialgeschichtlichen Rahmen durchgeführt. Methodisch und inhaltlich bewegen sie sich im Grenzbereich zwischen den Literaturwissenschaften, der Kulturgeschichte und der allgemeinen Geschichtswissenschaft.

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Inhaltsverzeichnis:

I. Einführung

1. Einleitung

1.1 Das Theater im katholischen Schulwesen der Frühen Neuzeit
1.1.1 Ziele des katholischen Gymnasiums jesuitischer Prägung
1.1.2 Der Zweck des Schultheaters
1.2 Das Schultheater als kultureller Faktor
2. Stand der Forschung
2.1 Allgemeine Forschungslage
2.2 Der Blick in die Region
3. Ziel und Methodik der Arbeit
3.1 Allgemeine Zielsetzung
3.2 Eingrenzung des Untersuchungsgebiets
4. Quellenlage
4.1 Dramentexte
4.2 Periochen
4.3 Die Jahresberichte (Litterae annuae)
4.4 Darstellungen der Geschichte einzelner Ordensniederlassungen (Historiae)
4.5 Sonstige nichtliterarische Quellen
4.6 Konsequenzen aus der Quellenlage für die Behandlung des Themas

II. Religionspolitische Voraussetzungen einer Bildungslandschaft

1. Einleitung

2. Aachen

2.1 Forschungsstand
2.2 Die »Aachener Wirren«
2.3 Die Festigung des katholischen Bekenntnisses nach 1614
3. Jülich-Berg und Ravenstein
3.1 Forschungsstand
3.2 Die erasmianische Kirchenpolitik der jülisch-klevischen Herzöge
3.2.1 Die Vereinigten Herzogtümer als konfessionsgeschichtlicher Sonderfall
3.2.2 Reformmaßnahmen in der Tradition des 15. Jahrhunderts
3.2.3 Erasmianismus am Niederrhein
3.2.4 Die Anfänge der Konfessionalisierung
3.2.5 Die Konsequenzen der Konfessionalisierung für das erasmianische Reformmodell
3.3 Der Erbfolgestreit und seine Auswirkungen auf die Konfessionslandschaft
3.4 Jülisch-Bergische Kirchenpolitik unter den Pfalzgrafen von Neuburg
3.4.1 Zwischen Konfrontation und Zwangstoleranz (1614–1666)
3.4.2 Die Religionsvergleiche von 1666/72 als Festschreibung des Status quo
4. Charakteristika einer Konfessionslandschaft

III. Das Schultheater der Jesuiten im Untersuchungsgebiet

1. Die Schulen

1.1 Aachen
1.1.1 Literatur- und Quellenübersicht
1.1.2 Zur Geschichte des Aachener Jesuitengymnasiums
Erste Jesuiten in der Reichsstadt Aachen, Die Gründung des Aachener Kollegs (1598–1601), Das Gymnasium der Jesuiten – Übernahme einer Vorgängerschule oder Neugründung?, Die Entwicklung der Jesuitenniederlassung nach 1601, Frequenz und Einzugsgebiet des Aachener Gymnasiums, Das Gymnasium Marianum nach 1773
1.2 Düsseldorf
1.2.1 Literatur- und Quellenübersicht
1.2.2 Zur Geschichte des Düsseldorfer Jesuitengymnasiums
Das Herzogliche Gymnasium in Düsseldorf, Düsseldorf als Zentrum der Katholischen Reform, Das Düsseldorfer Jesuitenkolleg, Zur Schulfrequenz des Düsseldorfer Gymnasiums in der Jesuitenzeit, Das Seminar zum hl. Salvator, Das Düsseldorfer Gymnasium nach 1773
1.3 Münstereifel – »Parnassus Eiffliades Musae«
1.3.1 Literatur- und Quellenübersicht
1.3.2 Zur Geschichte des Münstereifler Jesuitengymnasiums
Die konfessionelle Situation in Münstereifel zu Beginn des 17. Jahrhunderts, Die Bildungssituation in Münstereifel vor der Ankunft der Jesuiten, Das Ringen um ein Gymnasium 1622–1627 – Interessen im Widerstreit, Das Jesuitengymnasium 1625/27–1773, Frequenz und Einzugsgebiet des Münstereifler Gymnasiums, Das Schullokal – Ort des Unterrichts und des Theaters, Das Gymnasium Münstereifel nach 1773/74
1.4 Düren
1.4.1 Literatur- und Quellenübersicht
1.4.2 Zur Geschichte des Dürener Jesuitengymnasiums
Die konfessionelle Situation in Düren im 16. und 17. Jahrhundert, Die Dürener Lateinschule bis zur Ankunft der Jesuiten, Die Jesuiten in Düren, Das Einzugsgebiet des Dürener Gymnasiums, Das Dürener Gymnasium nach 1773
1.5 Jülich
1.5.1 Literatur- und Quellenübersicht
1.5.2 Zur Geschichte des Jülicher Jesuitengymnasiums
Die Jülicher Partikularschule, Die Übernahme der Partikularschule durch die Jesuiten, Das Jülicher Gymnasium nach der Aufhebung des Jesuitenordens
1.6 Ravenstein
1.6.1 Literatur- und Quellenübersicht
1.6.2 Das Gymnasium Aloysianum in Ravenstein – ein Sonderfall
Die Herrschaft Ravenstein als Insel katholischer Konfessionalisierung, Die Kirchenbaulotterie als Vorstufe des Gymnasialprojekts, Die Gründung des Lotteriefonds und des Gymnasiums, Schulfrequenz und Einzugsgebiet des Gymnasium Aloysianum, Die Fortführung des Gymnasiums nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu
1.7 Zusammenfassung
2. Das Bühnenschaffen der Jesuitengymnasien
2.1 Rhetorik und Theater
2.1.1 Einführung
2.1.2 Die declamationes
Redeactus und Theater, Zur Häufigkeit der declamationes im Untersuchungsgebiet, Das Publikum der declamationes, Szenisch oder nicht-szenisch?, Die szenische Deklamation als Imitation der ludi autumnales
2.1.3 Die affixiones
Aufgabenstellung und Termine, Emblem und Drama
2.2 Die ludi autumnales
2.2.1 Regeln und Regelwerke zur Theaterarbeit der Jesuiten
Einführung, Die Bestimmungen der Rationes studiorum, Einschränkungen der Aufführungshäufigkeit, Staatliche Theaterverbote
2.2.2 Anmerkungen zu einer Periodisierung des Jesuitentheaters
2.2.3 Stückewanderungen
Einleitung
Das Grundproblem, Stückewanderungen am Beispiel des Boetiusstoffes, Wege des Stückeaustauschs Verfahrensweisen
Vollständige Übernahme: Carolus Stuartus, Unvollständige Übernahme: Quinque Fratres Martyres, Kompilationen Fluchtpunkte
Fluchtpunkt Hildesheim, Die Fluchtpunkte Köln und Trier, Neuburg und die Niederlande? Fazit
2.2.4 Die Herausbildung eines »Repertoiretheaters« im 18. Jahrhundert
Unabhängige Bearbeitungen einer gemeinsamen Vorlage (Sephöb), Rückgriffe auf einen »katholischen Kanon«, Das Beispiel Ravenstein
2.2.5 Das Schultheater und die Reform der Lehrpläne
Freiwillige Reform oder staatliches Diktat?, Geschichtsunterricht und Drama, Deutschunterricht und Drama
2.2.6 Fazit
2.3 Festspiele
2.3.1 Heiligenfeste
Chrysanthus und Daria, Donatus, Julia, Ortsheilige als Programm – das Beispiel Ravenstein, Fazit
2.3.2 Heiligsprechungen – Die Ordensheiligen, Schul- und Studienpatrone Ignatius von Loyola und Franz Xaver, Franz Borgia, Aloysius Gonzaga und Stanislaus Kostka, Franz Regis
2.3.3 Aufführungen zur Säkularfeier der Gesellschaft Jesu 1640
2.3.4 Die Aufführungen zur Aachener Heiligtumsfahrt als Sonderfall
Einleitung, Theater und Reliquienverehrung, Theater als politischer Kommentar, Das Ende der Spieltätigkeit zur Heiligtumsfahrt
2.4 Fürstenbesuche
2.4.1 Fürstenbesuche in den kleineren Gymnasien der Jesuiten
2.4.2 Die Situation in der Residenzstadt Düsseldorf
2.4.3 Die Situation in der Badestadt Aachen
3. Die Organisation des Schultheaters der Jesuitengymnasien
3.1 Spielorte
3.1.1 Freilichtaufführungen
3.1.2 Spielort Kirche
3.1.3 Spielort Aula
3.2 Spielzeiten
3.2.1 Spieldauer
3.2.2 Spieltermine
3.2.3 Behinderungen der Theatertätigkeit
3.3 Vorbereitung und Organisation der Aufführungen
3.4 Bühnenbauten – Bühnenbilder
3.4.1 Die Bühnenanlagen
Einleitung, Die Anfänge – die Bühne des Kölner Laurentiusspiels von 1581, Die Bühne des Kölner Stephanus von 1627, Telari- und Kulissenbühne
3.4.2 Das Bühnenbild des Jesuitentheaters
3.4.3 Bühnenbilder des Schultheaters im Untersuchungsgebiet
Aachen, Münstereifel, Ravenstein, Die Aufgabe der Verwandlungsbühne in der Spätzeit des Jesuitentheaters
3.4.4 Der Bühnenvorhang
3.4.5 Die Bühnenbeleuchtung
3.4.6 Bühneneffekte und Maschineneinsatz
3.5 Requisiten und Kostüme
3.5.1 Requisiten
3.5.2 Kostüme
3.6 Die Finanzierung des Schultheaters
3.6.1 Die Kosten der Aufführungen
3.6.2 Die Kosten der Periochen
3.6.3 Die Kosten der Schulprämien
4. Die Träger des jesuitischen Schultheaters
4.1 Autoren und Choragen
4.1.1 Gottfried Lemius als Autor in Aachen?
4.1.2 Jakob Masen
Forschungsstand, Biografie, Die Rezeption Masens an den Gymnasien des Untersuchungsgebiets
4.1.3 Paul Aler
Forschungsstand, Biografie, Alers dramatisches Werk oder: Die Geburt des Singspiels aus dem Geist der Konkurrenz, Genovefa, Mater Gratiae Maria, Die Bedeutung Alers für die Jesuitendramatik des 18. Jahrhunderts, Nachwirkungen
4.1.4 ... und all die anderen
Überlieferungsprobleme, Das Schultheater in der Ausbildung der Jesuiten, Das Schultheater als Betätigungsfeld des Ordensnachwuchses, Das Autor-Regisseur-Problem des Schultheaters, Die Choragen im Untersuchungsgebiet
4.2 Schauspieler und Musiker
4.2.1 Die Anzahl der Darsteller
4.2.2 Die Schauspieler
4.2.3 Die Auswahl der Schauspieler
4.2.4 Die Musiker
4.2.5 Die Komponisten
4.3 Das Publikum
4.3.1 Fragestellung
4.3.2 Wie viele Zuschauer zählten die Herbstspiele?
4.3.3 Wer schaute zu?
Das erwünschte Publikum, Das unerwünschte Publikum I: Zugangsbeschränkungen für »illiterati«, Das unerwünschte Publikum II: Frauen
4.3.4 Fazit
4.4 Die Stifter der Schulprämien
4.4.1 Versetzungsfeiern und Goldene Bücher
4.4.2 Die Stifter
Städte, Magistrate und Bürgermeister, Adelige, Geistliche, Ehemalige und gegenwärtige Schüler, Militärs, Die Motive der Prämiatoren, Zusammenfassung und Ausblick
5. Nebenformen des Jesuitentheaters
5.1 Sodalentheater
5.1.1 Einleitung
5.1.2 Die Marianischen Kongregationen
5.1.3 Das Theater in den Sodalitäten
Stand der Forschung, Entwicklung und Kritik, Das Publikum der Aufführungen, Inhalt und Form, Organisation, Orte des Sodalentheaters, Bildmeditationen
5.2 Aufführungen im Kirchenjahr
5.2.1 Krippenspiele
Die Weihnachtskrippe – ein Import der Jesuiten, Krippenspiele als Katechismusdramen, Krippenspiele im schulischen Rahmen
5.2.2 Fastnachtsspiele
Streitgespräche als Fastnachtsspiel – Deklamation statt Dramatik, Fastnachtsspiele im Untersuchungsgebiet, Schlittaden
5.2.3 Fastenmeditationen
Forschungsstand, Die Fastenmeditation als »Sondergattung« des oberdeutschen Jesuitentheaters, Und am Rhein?
5.2.4 Passions- und Osterspiele
Einführung, Die Actiuncula de S. Maria Magdalena (Düsseldorf 1625), Passions- und Osterspiele im schulischen Rahmen
5.2.5 Fronleichnamsspiele
5.2.6 Schluss
5.3 Katechismusspiele
5.3.1 Das Theater in der Katechese der Jesuiten
Einleitung, Forschungsüberblick, Die Methoden der Katechese und das Katechismustheater, Katechismusprozessionen, Einschränkung und Verbot des Katechismustheaters
5.3.2 Das Katechismustheater im Untersuchungsgebiet bis um 1700
5.3.3 Neuanfänge um 1750
5.4 Prozessionen und Missionen
5.4.1 Szenische Prozessionen
Einleitung, Forschungsstand, Prozessionskultur der Gegenreformation, Fronleichnam und Gottestracht, Bußübung und Passionsgeschehen, Die szenische Karfreitagsprozession – Buße, Einkehr und Nachvollzug der Passion, Die szenische Gründonnerstagsprozession – eine Aachener Besonderheit, Prozessionen zu besonderen Festen, Lebende Bilder, Zubehör: Kostüm, Statuen, Fercula, Verbote szenischer Prozessionen
5.4.2 Buße als Schauspiel: Volksmission im Zeichen der Segneri-Methode
Forschungsstand, Der institutionelle Rahmen, Die Einführung der Segneri-Methode 1715, Bußprozessionen, Volksmission und Theater, Kritik an den Volksmissionen
5.4.3 Unschuld als Schauspiel: Die Feier der Erstkommunion
5.5 Schaukulissen und Theatra sacra
5.5.1 Bühnenaltäre
5.5.2 Heilige Gräber und verwandte Phänomene
Forschungsüberblick, Das Vierzigstündige Gebet und seine Dekorationsformen, Das Heilige Grab – Spielort und Schauspiel
5.5.3 Castra doloris
5.6 Zusammenfassung
6. Das Schultheater nach der Aufhebung des Jesuitenordens
6.1 Die Aufhebung des Jesuitenordens
6.2 Die Situation in Aachen
6.3 Die Situation in Jülich-Berg und Ravenstein
6.4 »Jesuitentheater« nach dem Ende der alten Gesellschaft Jesu
7. Das Jesuitentheater als Speerspitze der Gegenreformation?
7.1 Einführung
7.2 Theater und Konversion
7.3 Theater als Rollenmodell
7.4 Politisches Theater im Dienste von Gegenreformation und Reform
7.5 Fallbeispiel Thomas Morus – der unpolitische Staatsmann
7.6 Fazit
8. Zusammenfassung

IV. Konkurrenzen

1. Säkulare Theater

1.1 Die Hofbühnen am Rhein
1.1.1 Die Jesuiten und der Hof
1.1.2 Schultheater als Hoftheater
1.1.3 Die Jesuiten und das Bonner Hoftheater
1.1.4 Die Jesuiten und das Düsseldorfer Hoftheater
1.1.5 Konkurrenz mit gleichen Waffen oder Parallelität der Bühnenwelten?
1.2 Die Wanderbühnen
2. Nichtkatholische Schulbühnen
2.1 Die Bühnen der Humanistenschulen
2.2 Die Theaterarbeit protestantischer Schulen
2.2.1 Einführung
2.2.2 Der Ausbau protestantischer Schulsysteme im Untersuchungsgebiet
2.2.3 Protestantisches Schultheater im Untersuchungsgebiet?
Aachen, Düren, Düsseldorf, Jülich, Lennep, Linnich, Monschau, Randerath, Sittard, Wuppertal (Elberfeld und Barmen), Zusammenfassung
2.2.4 Zum Einfluss protestantischer Schüler auf das Theater der Jesuiten
2.2.5 Fazit
3. Schultheater in der Mädchenbildung?
3.1 Einführung
3.2 Höhere Mädchenbildung im Untersuchungsgebiet
3.3 Fazit
4. Katholisch-nichtjesuitisches Schultheater
4.1 Einführung
4.2 Die Schulen der Mendikantenorden
4.2.1 Franziskaner-Rekollekten
4.2.1.1 Einführung
Die Franziskaner-Rekollekten als Schulorden, Schulalltag, Schultheater
4.2.1.2 Katalog der Franziskanergymnasien im Untersuchungsgebiet Megen, Wipperfürth, Randerath, Eschweiler-Röhe
4.2.2 Minoriten
4.2.2.1 Einführung
Ein Schulgründungsversuch der Minoriten in Münstereifel, Die Musterschule Bonn
4.2.2.2 Katalog der Minoritengymnasien im Untersuchungsgebiet
Linnich, Rheindalen, Sinzig, Nideggen, Seligenthal, Siegburg, Monschau, Lennep, Neersen, Ratingen
4.2.3 Kapuziner
Einführung, Studienpläne der Kapuziner für Jülich, Ein Schultheater der Kapuziner?
4.2.4 Dominikaner
4.2.4.1 Einführung
4.2.4.2 Aachen
4.2.4.3 Sittard
Forschungsüberblick, Die Gründung des Sittarder Dominikanerklosters, Unterricht in Sittard, Das Sittarder Schultheater
4.2.5 Augustiner-Eremiten
Einführung, Aachen, Hillesheim, Das Schultheater der Augustiner-Eremiten
4.2.6 Karmeliten
Einführung, Aachen, Düren
4.3 Benediktiner
4.3.1 Die Benediktiner als Schulorden in der Frühen Neuzeit
4.3.2 Ein Benediktinergymnasium in Siegburg?
4.3.3 Das Benediktinische Lehrhaus in Gladbach
Forschungsüberblick, Die Abtei Gladbach in der Gegenreformation, Das Schulwesen in Gladbach bis zum Ende des Alten Reiches
4.3.4 Das Schultheater der rheinischen Benediktiner
4.4 Kreuzherren 4.5 Stadt-, Pfarr- und Stiftsschulen
4.5.1 Das Bildungsangebot kleinerer Lateinschulen
4.5.2 Gangelt
4.5.3 Erkelenz
4.5.4 Heinsberg/Rheinland
4.6 Charakteristika des katholisch-nichtjesuitischen Schulwesens
4.6.1 Die Entwicklung der rheinischen Schullandschaft
Die rheinische Schullandschaft, Phasen der Ausdehnung, Das Interesse der Städte, Der Nutzen für die Orden, Regionale Unterschiede und staatliche Einflussnahme
4.6.2 Anmerkungen zu Schulorganisation und Schultheater
Imitation oder Variation? Die Schulorganisation der nichtjesuitischen Schulen, Die Rolle und die Formen des Schultheaters, Die anderen Orden und die Schulreformen der Aufklärung
5. Zusammenfassung

IV. Fazit

V. Bibliographie

1. Quellen

1.1 gedruckte Quellen
1.2 ungedruckte Quellen, Dramentexte und Periochen
2. Sekundärliteratur

Anhang

Die Theatertätigkeit der Jesuitengymnasien in Jülich-Berg, Ravenstein und Aachen (1601–1817)
Die Theatertätigkeit der nichtjesuitischen katholischen Gymnasien in Jülich-Berg, Ravenstein und Aachen (1640–1794)

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EINLEITUNG (Auszug)

»Mera ossa et cadavera«, Knochen bloß und tote Körper seien seine Stücke, wenn sie nicht auf der Bühne agiert, sondern in toten Buchstaben gedruckt zwischen Buchdeckeln erscheinen, losgelöst von jeder Verkörperung des Wortes und bar jeder Verlebendigung der Vision des Autors – so Nikolaus Avancini in der Vorrede zur Kölner Ausgabe seiner gesammelten Schauspiele. »Mera ossa et cadavera« sind auch die Zeugnisse, die von der Spieltätigkeit der zahlreichen Schultheater, die in der Frühen Neuzeit im Rheinland aktiv waren, geblieben sind: Die Spielorte dieser Theater sind zerstört, vollständige Dramentexte kaum erhalten, Partituren der Bühnenmusiken, Bühnenbilder oder Zeichnungen des Bühnengeschehens nicht auffindbar, nicht einmal die Autoren der Stücke lassen sich im Regelfall sicher benennen. Und das obwohl die Schultheater eine ausgesprochen rege Spieltätigkeit entfalteten, denn kleinere Gymnasien traten Jahr für Jahr mit mindestens einem, die größeren in der Regel mit mehreren, zeitweise gar mit sechs, sieben oder acht Theaterstücken an die Öffentlichkeit – oder genauer: an einzelne Öffentlichkeiten, denn die Aufführungen waren nicht immer allgemein zugänglich.

Die umfänglichste Theateraktivität entfalteten die großen Gymnasien der Jesuiten. Sie hatten sich überall im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, wo ihre Dienste als Schulträger gefragt waren, eines eigenständig geprägten, geistlich-humanistischen Theaters angenommen, es als vollgültigen Bestandteil der pädagogisch-rhetorischen Praxis etabliert und Stücke in einem Umfang und in einer Kontinuität auf die Bretter gebracht, die in der Literaturgeschichte einzigartig ist. Die Zahl allein ihrer Aufführungen, die im katholischen Raum beispielgebend waren, geht in die Tausende, und hinzu kommen noch die vielfältigen Theateraktivitäten nichtjesuitischer katholischer Gymnasien.

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FAZIT (Auszug)

Bereits seit Jahrzehnten konstatierten namhafte Literarhistoriker trotz einer langen und fruchtbaren Erforschung des katholischen Schultheaters deutliche Forschungsdefizite insbesondere für das Jesuitentheater in der alten Niederrheinischen Ordensprovinz der Jesuiten, für die Theaterarbeit der Schulen im 18. Jahrhundert sowie für die Beziehungen des Jesuitentheaters zur Theaterarbeit anderer katholischer Schulträger. Eine Untersuchung, die sich des Schultheaters ortsübergreifend widmet und mehrere Schulbühnen miteinander vergleicht wie zueinander in Beziehung setzt, wurde seit langem nicht mehr vorgelegt. Es lag daher nahe, sich dieser Defizite vorrangig anzunehmen.

Dies ist im Rahmen der vorliegenden Arbeit geschehen: Im Zentrum der Betrachtung standen zum einen mit Jülich-Berg/Ravenstein und der Reichsstadt Aachen wichtige Territorien im Nordwesten des Alten Reiches, zum anderen setzte die Untersuchung Schwerpunkte im Bereich der Dramenproduktion des 18. Jahrhunderts. Dadurch konnte die Produktion der katholischen Schultheater in ihren zahlreichen, flächendeckend verbreiteten Zeugnissen insbesondere für die Jahrzehnte vor der Französischen Revolution in einer Weise untersucht werden, die trotz einer im Einzelfall problematischen Quellenlage und trotz nach wie vor offener Fragen ein Gesamtbild ergibt.

Im Zuge der Bearbeitung konnte die Bibliografie des frühneuzeitlichen Schultheaters in nicht unbeträchtlichem Umfang bereichert werden. Die Angaben älterer Übersichten, zuvorderst des Répertoire chronologique Jean-Marie Valentins wurden überprüft, korrigiert und erweitert, wobei alle Aufführungen, über die Teilinformationen vorlagen, auch dann erfasst wurden, wenn deren Titel nicht bekannt ist. Zugleich fanden erstmals Schultheaterstücke auch aus den Jahren nach 1773 systematisch Aufnahme, da sich die Aufhebung der Gesellschaft Jesu in weiten Teilen des Untersuchungsgebiets ohnehin erst 1774/75 vollzog und die Schulen zum Teil (Aachen, Ravenstein) auch danach noch die Spieltradition der Jesuitenzeit fortsetzten. Außerdem wurden Zeugnisse der zahlreichen nichtjesuitischen Schultheater im Untersuchungsgebiet erfasst, die einen Einblick in die reiche Spieltradition auch der Franziskaner-Rekollekten, Minoriten, Dominikaner, Benediktiner und Augustiner-Eremiten – um nur die wichtigsten zu nennen – eröffnen. Auf diese Weise konnten im Untersuchungsgebiet, das etwa 50% der Fläche der heutigen Regierungsbezirke Köln und Düsseldorf umfasst, rund 670 Aufführungen auf Jesuiten- bzw. Exjesuitenbühnen dokumentiert und rund 210 Aufführungen an den katholischen Gymnasien anderer Träger in die Betrachtung einbezogen werden.

Die Materialsammlung umfasst rund 250 größtenteils noch unveröffentlichte Periochen und Periochenfragmente und einige wenige vollständige Dramentexte. Eine Reihe von Periochen, die als Kriegsverluste verloren geglaubt waren, konnten wiedergefunden, mit den Periochensammlungen in Hildesheim und Münster sogar nahezu unbekannte Bestände erschlossen werden. Damit ist auch der Beweis geführt, dass die fortgesetzte Suche nach Quellen trotz einer langen, überwiegend positivistisch ausgerichteten Forschung auch heute noch sinnvoll ist und sich durch das Sichten, Sichern, Ordnen und Auswerten der Überlieferung noch immer Erkenntnisgewinne erzielen lassen. Viele Stücke wurden schließlich anhand der Spieltexte oder der Periochen näher vorgestellt und in Kontexte wie Traditionslinien eingeordnet.

Zugleich gelang es, die einschlägige ortsgeschichtliche Literatur in seltener Vollständigkeit zusammenzutragen und zu bewerten, ihre Darstellung am erhaltenen schulgeschichtlichen Quellenbestand zu prüfen, Art und Zusammensetzung dieses Quellenbestands zu charakterisieren und neue Quellen zur Schulgeschichte zu erschließen. Insbesondere die Einbeziehung der römischen Archivüberlieferung der Gesellschaft Jesu stellte bislang ein Desiderat, die Einbeziehung des Ravensteiner Jesuitengymnasiums und sein Theaters einen besonderen Gewinn dar, da es, obwohl Teil der Niederrheinischen Ordensprovinz der Gesellschaft Jesu, in älteren Überblickswerken nicht oder nur am Rande verzeichnet ist.

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