Tim Neu, Michael Sikora, Thomas Weller (Hgg.)

Zelebrieren und Verhandeln

Zur Praxis ständischer Institutionen im frühneuzeitlichen Europa

Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme –
Schriftenreihe des Sonderforschungsbereichs 496
Band 27

2009, 260 Seiten, 14 Beiträge, 4 Abbildungen, Harteinband
2009, 260 pages, 14 essays, 4 figures, hardcover

ISBN 978-3-930454-92-1
Preis/price EUR 30,–

17 × 24cm (B×H), 600g

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Aus dem Inhalt / from the book:

Kurzzusammenfassung
Inhaltsverzeichnis

Kurzzusammenfassung:

Die ständischen Institutionen der Frühen Neuzeit sind von der Forschung bisher meist unter einer Perspektive untersucht worden, die den – modern gesprochen – gesetzgeberischen Ertrag der Versammlungen in den Vordergrund stellte. Im Zentrum des Interesses standen dementsprechend die schon sehr früh schriftlich niedergelegten Beschlüsse auf dem Feld der Herrschaftsverträge, der Steuerbewilligungen und der Landesverwaltung. Die Verhandlungen selbst erschienen vor diesem Hintergrund in erster Linie als rationales, machtorientiertes Ringen, das an seinen Ergebnissen zu messen war. Und zweifellos konnten auf diesem Wege fundamentale Einsichten gewonnen werden.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes konzentrieren sich dagegen auf die Praxis der ständischen Kommunikationsprozesse selbst. Das meint zum einen das ›Verhandeln‹ im engeren Sinn. Das meint aber zugleich, jene Praktiken einzubeziehen, die bisher meist als akzidentelles und zu vernachlässigendes Beiwerk frühneuzeitlicher Institutionen galten, in den Debatten der letzten Jahre jedoch zunehmend als bedeutungsvoll und relevant erkannt worden sind, nämlich die des ›Zelebrierens‹. Damit ist die zeremonielle Durchformung der Ständeversammlungen gemeint, die in allgegenwärtigen symbolischen Ausdrucksformen wie Sessionsordnungen, rangbasierten Abstimmungsformen und solennen Akten, etwa der Versammlungseröffnung oder der Abschiedsverkündung, zum Ausdruck kam. Erst eine solche Perspektive, die verhandlungsförmige und zeremonielle Praktiken gleichermaßen und in ihrem Zusammenspiel untersucht, ist in der Lage, Ständeversammlungen in ihrer Ganzheit wahrzunehmen und damit ihre Eigenart und wahrscheinlich auch ihre Transformationen umfassender und präziser zu beschreiben und zu interpretieren. Der Band will in diesem Sinne erstmals empirische Studien in einer europäisch-vergleichenden Herangehensweise bereitstellen.

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Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Tim Neu, Michael Sikora und Thomas Weller:
Einleitung

I. Funktionen

Hans-Jürgen Bömelburg:
Symbolische Kommunikation auf dem Sejm in der Krise (1649–1668). Zeremonielle und instrumentelle Akte in Krieg und Bürgerkrieg

Gabriele Haug-Moritz:
Reichstag, schmalkaldische Bundestage, ernestinische Land- und Ausschußtage der 1530er Jahre als ständische Institutionen - Eine vergleichende Betrachtung

Thomas Weller:
War Kastilien anders? Zeremoniell und Verfahren der kastilischen Cortes (1538–1665)

Andreas Würgler:
›Reden‹ und ›mehren‹. Politische Funktionen und symbolische Bedeutungen der eidgenössischen Tagsatzung (15.–18. Jahrhundert)

II. Praktiken

Josef Matzerath:
»... daß ich zeit meines Lebens nicht mehr confusion und disordre gesehen«. Eröffnungszeremonien des sächsischen Landtages und des englischen Parlaments am Beginn des 18. Jahrhunderts

Tim Neu:
Sitzen, Sprechen und Votieren. Symbolische und instrumentelle Dimensionen landständischer Handlungssequenzen in Hessen-Kassel (17./18. Jahrhundert)

Ida J. A. Nijenhuis:
Republikanische Repräsentation? Ansehen und Rang in der zeremoniellen und diplomatischen Praxis der Generalstaaten im 17. Jahrhundert

Arno Strohmeyer:
Die Konstruktion der Herrschaftsordnung in monarchisch-ständischen Kommunikationsräumen durch Erinnern und Vergessen: Österreich unter der Enns und Ungarn (16./17. Jh.)

III. Konflikte

Wim Blockmans:
Breaking the Rules. The Emergence of the States General in the Low Countries in the Fifteenth and Sixteenth Centuries

Elizabeth Harding:
»concludiret per majora« oder »ausgemachet durch das los«. Entscheidungsverfahren landsässiger Ritterschaftskurien im 18. Jahrhundert

Kolja Lichy:
Wider die Sejm-Komödie. Repräsentation der respublica in Polen-Litauen zwischen Sejm und Rokosz

Albrecht P. Luttenberger:
Zeremonial- und Sessionskonflikte in der kommunikativen Praxis des Reichstages im 16. Jahrhundert

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Rezensionen:

»[...] hohe informative und wissenschaftliche Qualität [...]«

Birgit Näther, Online-Rezension in www.hsozkult.de

* * *

»Ein Verständnis ständischer Aushandlung, frühneuzeitlicher Machtpraxis, das die hier angestellten Überlegungen und erbrachten Befunde übergeht, dürfte zunehmend eindimensional wirken.«

Mathias Mesenhöller, in: Zeitschrift für Historische Forschung 38, Heft 1 (2011), S. 117–119.

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