Hartmut Beyer

Das politische Drama im Italien des 14. und 15. Jahrhunderts

Humanistische Tragödien in ihrem literarischen und funktionalen Kontext

Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme –
Schriftenreihe des Sonderforschungsbereichs 496
Band 24

2008, 654 Seiten, Harteinband
2008, 654 pages, hardcover

ISBN 978-3-930454-86-0
Preis/price EUR 78,–

17 × 24cm (B×H), 1200g

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Aus dem Inhalt / from the book:

Kurzzusammenfassung
Inhaltsverzeichnis

Kurzzusammenfassung:

Die Arbeit nimmt die Anfänge der antikisierenden Tragödie im Italien des 14. und 15. Jahrhunderts und den Übergang vom Lese- zum Aufführungsdrama in den Blick. Sie beinhaltet eingehende Untersuchungen zu den wichtigsten überlieferten Texten, wobei in der Forschung vorhandene Voreingenommenheiten bezüglich der poetologischen Normen und des theatralischen Charakters nach Möglichkeit vermieden werden. Im Zentrum steht stattdessen die Frage nach den kulturellen und politischen Rahmenbedingungen, die diese erste imitierende Rezeption der antiken (ausschließlich senecanischen) Tragödie prägten.

Im Einzelnen geht es um: Albertino Mussato, Ecerinis (1315); Antonio Loschi, Achilles (1386–1388); Ludovico da Fabriano, De casu Cesene (1377); Giovanni Manzini della Motta, Fragment über die Eroberung Veronas 1387; Gregorio Correr, Progne (1427/28); Leonardo Dati, Hyempsal (1440); Laudivio da Vezzano, De captivitate ducis Iacobi (1465); Carlo Verardi, Historia Baetica (1492); Carlo und Marcellino Verardi, Fernandus servatus (1493). Die Arbeit beinhaltet Editionen und Übersetzungen von Laudivios da Vezzano De captivitate und von Marcellino Verardis Ecloga, die im Zusammenhang mit der Theaterkultur in Rom unter Alexander VI. von besonderem Interesse ist.

Bei praktisch sämtlichen Texten konnten neue Erkenntnisse erzielt werden. Sie beziehen sich zum einen auf die literarischen Vorbilder, die nicht nur im Corpus der Tragödien Senecas, sondern oft auch in der nichtdramatischen antiken und zeitgenössischen Literatur liegen. Diese erklären nicht nur »Unregelmäßigkeiten«, die in der bisherigen Forschung in der Regel als Einflüsse des volkssprachlichen geistlichen Spiels bewertet wurden, sondern sie ermöglichen auch die Einordnung der humanistischen Tragödien in die literarische Kultur Italiens im 14. und 15. Jahrhundert. Zum anderen konnte der politische Charakter der frühen humanistischen Tragödien, auf den im Prinzip bereits Antonio Stäuble hingewiesen hat, näher erforscht werden. Während bei Dramen wie der Ecerinis Albertino Mussatos oder Laudivios da Vezzano De captivitate ducis Iacobi die Wirkungsabsicht der Tragödien in ihrem jeweiligen Umfeld präziser herausgearbeitet wurde, konnten zum politischen Bedeutungsgehalt anderer Tragödien (besonders Antonio Loschis Achilles und Leonardo Datis Hyempsal) völlig neue Thesen präsentiert werden.

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Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

I. Einführung: Senecas Tragödien im 14. und 15. Jahrhundert

1. Die Dramatik des jüngeren Seneca
2. Handschriften, Drucke, Aufführungen
3. Nicholas Trevet und die Kommentar-Tradition
4. Der Paduaner Frühhumanismus
5. Ideen zur Autorschaft und zur antiken Aufführungspraxis
6. Ideen über den Nutzen der Tragödie
7. Ausblick auf das 16. Jahrhundert

II. Albertino Mussatos Ecerinis (1315): Der Sturz des Tyrannen

1. Allgemeines
2. Historischer Hintergrund und Quellen
3. Moralische Lektionen aus dem Fall der Da Romano
4. Mussatos politisches Denken und die Wirkungsabsicht der Ecerinis
5. Zusammenfassung

III. Antonio Loschis Achilles: Der Fall des Helden

1. Allgemeines
2. Der Achilles und seine Quellen
3. Inhaltliche Tendenzen: Heroismus und Fatalismus
4. Loschis Achilles und der Fall Karls von Durazzo
5. Zusammenfassung

IV. Politische Tragödien im Umkreis Coluccio Salutatis

1. Seneca tragicus in Salutatis politischer Rhetorik
2. Der Dialog De Casu Cesene des Ludovico da Fabriano (1377)
3. Das Tragödienfragment des Giovanni Manzini della Motta (1387/88)

V. Gregorio Corrers Progne (1427/28): Tragödie und contemptus mundi

1. Allgemeines
2. Formale und konzeptionelle Eigenheiten
3. Corrers Progne und das Lebensideal in der Schule des Vittorino da Feltre
4. Zusammenfassung

VI. Leonardo Datis Hyempsal (1440): Tragödie und Komik

1. Allgemeines
2. Der Hyempsal vor dem Hintergrund des certame coronario
3. Inhaltliche und formale Gestaltung
4. Die Rolle der Komik im Hyempsal
5. Datis poetologisches Konzept und die Lukian-Rezeption im 15. Jahrhundert
6. Datis Hyempsal und das Florentiner Gemeinwesen unter Cosimo il Vecchio
7. Zusammenfassung

VII. Laudivios da Vezzano De captivitate ducis Iacobi (1465): Herrschaftsrepräsentation unter dem Einfluss der Sterne

1. Allgemeines
2. Zum kulturellen Milieu
3. De captivitate ducis Iacobi und das Theater am Hof der Este
4. Metrik, sprachliche Gestaltung und Vorbilder
5. Die Rolle der Astrologie in De captivitate ducis Iacobi
6. Die politische Dimension der Tragödie
7. Zusammenfassung

VIII. Carlo Verardis Historia Baetica (1492): Herrscherlob zwischen Tragödie und Komödie

1. Allgemeines
2. Forschungsstand
3. Offene Fragen
4. Zur Gattungsfrage
5. Zum Tugendbegriff der Historia Baetica und seiner literarischen Umsetzung
6. Die Traumepisode zwischen Dichtung und Historiographie
7. Vorläufiges Fazit
8. Die Historia Baetica im Kontext der prospanischen Publizistik in Rom unter Innozenz VIII.
9. Die Kardinaltugend prudentia und der Kardinalat im späten 15. Jahrhundert
10. Nationale Stereotypen und die italianità von Verardis Spaniern
11. Zusammenfassung

IX. Carlo und Marcellino Verardis Fernandus servatus (1493): Die Tragikomödie als Invektive

1. Zum historischen Hintergrund
2. Überlieferung, Aufführung, Inhalt
3. Forschungsstand
4. Offene Fragen
5. Carlo Verardis dämonologische und poetologische Selbstpositionierung
6. Der Fernandus servatus und seine klassischen Vorlagen: Eine Dramatisierung Claudians
7. Der Fernandus servatus in der politischen Kommunikation zwischen Spanien und Rom
8. Folgerungen

X. Exkurs I: Das Gedicht Supra casum Hispani regis des Petrus Martyr Anglerius

1. Allgemeines
2. Zum Verhältnis zwischen Pluto furens und Fernandus servatus
3. Supra casum als moralische und politische Mahnung an Alexander VI.
4. Politische Schwerpunkte von Supra casum
5. Zusammenfassung

XI. Exkurs II: Marcellino Verardis Ecloga (um 1500): Ein Beispiel für die Theaterkultur der römischen Akademie

1. Einführung
2. Beschreibung des Textes
3. Zusammenhang mit dem Jahresfest der Akademie
4. Datierung und Verortung
5. Verhältnis zur bukolischen Tradition
6. Bukolische Topik im Rom der Renaissance
7. Vermutungen zu personalen Allegorien
8. Zusammenfassung

XII. Ergebnisse

1. Inhaltliche und formale Vorlagen
2. Literarisches und kulturelles Umfeld
3. Die Interpretation der Tragödie und des Tragischen
4. Politischer Kontext der Dramen
5. Die Tragödie in der humanistischen Kultur Italiens im 14. und 15. Jahrhundert

Anhang I: Edition und Übersetzung von Laudivio da Vezzano, De captivitate ducis Iacobi

1. Einleitung

Anhang II: Edition und Übersetzung von Marcellino Verardi, Ecloga

1. Einleitung

Quellen und Primärtexte

Literaturverzeichnis

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