Martina Minning

Giovan Francesco Rustici (1475–1554)

Forschungen zu Leben und Werk des Florentiner Bildhauers

Beiträge zur Kunstgeschichte des Mittelalters und der Renaissance
Band 15
Herausgegeben von Joachim Poeschke

2010, 456 Seiten, 240 Abbildungen, Harteinband
2010, 456 pages, 240 figures, hardcover

ISBN 978-3-930454-84-6
Preis/price EUR 62,–

17 × 24cm (B×H), 1100g

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Aus dem Inhalt / from the book:

Inhaltsverzeichnis / table of contents
Einleitung (Auszug)

Inhaltsverzeichnis / table of contents

  1. Fortuna critica und Darlegung des Forschungsvorhabens

  2. Giovan Francesco Rustici im Lichte der Vita Giorgio Vasaris

  3. Überlegungen zu Rusticis Ausbildung und Werdegang

  4. Das Kenotaph des Dichters Giovanni Boccaccio in Certaldo

  5. Die Kapellenausstattung der Villa Salviati in Fiesole

  6. Rusticis Madonnenbildnisse

  1. 1 Der Madonnentondo für die Arte della Seta
  2. 2 Das Berliner Madonnenbildnis
  3. 3 Die Madonna Fontainebleau

Exkurs: Weitere Rustici zugeschriebene Madonnenbilder und das Andachtsbild aus der Sammlung Schlichting im Louvre

  1. Die Darstellung des Noli me tangere für das Nonnenkloster San Luca in Via San Gallo

  2. Die Täufer-Gruppe für das Florentiner Baptisterium

  3. Die Johannes-Statue in Boston

  4. Die Reiterkampfgruppen aus Terracotta

  5. Rustici als Bronzebildner im Dienst der Medici

  6. 1 Zum Brunnenschmuck im Garten des Palazzo Medici
  7. 2 Zum geplanten David für den Cortile des Palazzo Medici

  8. Der Cortile der Villa Salviati in Fiesole

  9. Letzte Zeugnisse in Florenz

  10. Zum Projekt für ein bronzenes Reiterbildnis zu Ehren König Franz’ I.

  11. Rustici und Antonio Mini

  12. Das Grabmal des Fürsten Alberto III. Pio da Carpi

  13. Der bronzene Apoll Pythius

  14. Die letzten Lebensjahre in Frankreich - »[...] che tutto sia messo ne l’oblivione«

  15. Zusammenfassung und Bewertung von Rusticis künstlerischem Schaffen

Literaturverzeichnis

1 Unpublizierte Quellen
2 Publizierte Quellen
3 Sekundärliteratur

Abbildungsverzeichnis
Abbildungen
Abbildungsnachweis

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EINLEITUNG (Auszug)

Bereits 1504 wurde der Florentiner Bildhauer Giovan Francesco Rustici (1475–1544) in dem Traktat über die Skulptur des Pomponius Gauricus gemeinsam mit Benedetto da Maiano, Michelangelo und Andrea Sansovino zu den herausragenden zeitgenössischen Bildhauern in Florenz gezählt. Giorgio Vasari ließ Rustici in der zweiten Ausgabe seiner »Vite de' più eccellenti pittori, scultori e architettori« (1568) eine ausführliche Würdigung zuteil werden. Rustici, der laut Vasari von adeligem Geschlecht und vermögend war, habe nach Belieben gearbeitet, auch andere Interessen gepflegt und bevorzugt Arbeiten für private Auftraggeber ausgeführt, welche ihm zumeist freundschaftlich zugewandt gewesen seien. Darüber hinaus weiß Vasari von einer Vielzahl hochrangiger Werke in Terracotta, Marmor und Bronze sowie von einigen Gemälden zu berichten. Den Höhepunkt in Rusticis Florentiner Schaffenszeit bildeten die zwischen 1506 und 1511 entstandenen monumentalen bronzenen Figuren über dem Nordportal des Florentiner Baptisteriums - »le più perfette e meglio intese [i.e. statue] che siano state mai fatte di bronzo di maestro moderno«. Mit der Vertreibung der Medici verließ auch Rustici, vermutlich im Jahr 1528, die Stadt und ging nach Frankreich, wo er am Hof König Franz' I. aufgenommen wurde. Vom französischen Aufenthalt Rusticis hat Vasari, abgesehen von einem Projekt für ein Reitermonument, nur geringe Kenntnis.

...

Deutlich wird, daß eine umfassende monographische Würdigung zu Rustici noch aussteht, die eine differenzierte stilkritische Auseinandersetzung mit dem gesicherten und insbesondere mit dem ungesicherten Werk Rusticis bietet, die dabei den ihm eigenen Stil berücksichtigt und die Einflüsse anderer Künstler in die Analyse mit einbezieht. Ferner besitzt man, abgesehen von Vasaris Vita, kaum detaillierte Informationen über die Kreise, mit denen Rustici freundschaftlich verkehrte; von besonderem Interesse sind hier Nachforschungen über die Compagnia del Paiuolo und die Compagnie della Cazzuola, denen Rustici als einer der führenden Köpfe angehörte und deren ausgelassene Feste Vasari ausführlich schildert. Evident ist zudem, daß die systematische Durchsicht von Quelleneditionen und archivalischen Notizen zu Rustici in Frankreich im allgemeinen und hinsichtlich der ihm dort zugeschriebenen Werke fast vollkommen fehlt.

Daß eine monographische Behandlung des Künstlers bisher ausblieb, liegt vor allem in der Forschungsgeschichte selbst begründet, die Rustici zu Unrecht in den Schatten Leonardos verbannte und seine Position im ersten Drittel des 16.  Jahrhunderts in Florenz sowie seine Stellung als königlicher Bronzebildner am Hof König Franz' I. nicht angemessen berücksichtigte. Erschwerend kommt hinzu, daß Vasari nur geringe Kenntnis der französischen Arbeiten Rusticis hatte. So gelten die von der Forschung akzeptierten Zuschreibungen vorwiegend Objekten, die überzeugend mit von Vasari zitierten Werken der Florentiner Zeit identifiziert werden konnten. Die scheinbare Heterogenität des kleinen erhaltenen Œuvre erschwerte zudem die Erfassung des Eigenstils des Künstlers. Gleichzeitig mit der vorliegenden Arbeit wurde eine weitere wissenschaftliche Abhandlung monographischen Zuschnitts zu Giovan Francesco Rustici von Philippe Sénéchal verfaßt und 2003 an der Sorbonne als Habilitationsschrift eingereicht. Da diese nach Auskunft des Verfassers einen Catalogue raisonné beinhaltet, wurde hier auf einen solchen verzichtet. Als methodischer Zwischenschritt ist hier jedoch eine sorgfältige Untersuchung aller in der Forschung diskutierten Objekte vorauszusetzen. Die hier behandelten Werke konstituieren meiner Einschätzung nach das Œuvre Rusticis. Lediglich in den Fällen, in denen meine Ansicht bedeutend von der üblichen Forschungsmeinung abweicht, werden aus dem Gesamtwerk auszusondernde Objekte besprochen.

Neben der für eine Künstlermonographie zentralen Frage nach der stilistischen Entwicklung des Künstlers und seiner Position innerhalb der Geschichte der italienischen und französischen Skulptur des 16. Jahrhunderts sollen, um den Werken an sich gerecht zu werden, auch typologische, ikonographische und auftraggeber- und funktionsgeschichtliche Gesichtspunkte beleuchtet werden. Die Anlage der Kapitel erfolgte chronologisch.

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