Dorothee Heinzelmann

Die Kathedrale Notre-Dame in Rouen

Untersuchungen zur Architektur der Normandie in früh- und hochgotischer Zeit

Beiträge zur Kunstgeschichte des Mittelalters und der Renaissance
Band 9
Herausgegeben von Joachim Poeschke

2003, 504 Seiten, 358 Abbildungen, CD-ROM, broschiert/Fadenheftung
2003, 504 pages, 358 figures, CD-ROM, paperback/sewn

ISBN 978-3-930454-21-1
Preis/price EUR 72,–

17 × 24cm (B×H), 1000g

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Kurzzusammenfassung/short summary
Inhaltsverzeichnis / table of contents
Einleitung
Zusammenfassung
Résumé en Français


Kurzzusammenfassung/short summary

Die Kathedrale von Rouen, Krönungsort und Grablege der normannischen Herzöge sowie Metropolitankirche der Normandie, gehört zu den großen gotischen Kirchenneubauten des beginnenden 13. Jahrhunderts in Frankreich. Doch das lange Ringen zwischen französischer und englischer Krone um die Herrschaft über die Normandie, welches 1214 in ihrer kriegerischen Eroberung durch Philipp II. Augustus gipfelt, hinterläßt in der Baugeschichte der Kathedrale ebenso Spuren wie der innerstädtische Rouenneser Machtkampf zwischen Klerus und erstarkendem Bürgertum. Ein wechselhafter Bauverlauf mit vielfachen Umplanungen führt zu eigenwilligen Lösungen, in denen sich zugleich die spannungsvolle Auseinandersetzung zwischen normannischer Bautradition und Einflüssen der Hochgotik der Île-de-France manifestiert.

Ausgehend von bauarchäologischen und archivalischen Untersuchungen wird die komplexe Baugeschichte der Kathedrale rekonstruiert. Die verschiedenen Bauphasen mit den sie jeweils prägenden architektonischen Charakteristika und Stilmerkmalen zeigen sich im kunsthistorischen Umfeld der Normandie eingebunden in ein dichtes Geflecht wechselseitiger Beziehungen zu anderen Großbaustellen. Fragen nach den verantwortlichen Baumeistern, Auftraggebern und Stiftern sowie der liturgischen Nutzung schließen sich an. Die Kathedrale von Rouen erweist sich als facettenreicher Spiegel einer traditionsreichen Kunstlandschaft in historischen Umbruchszeiten.

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Inhaltsverzeichnis / table of contents

Vorwort

Einleitung

1 Geschichte und Stand der Forschung zur Kathedrale von Rouen
2 Quellenlage zum Kathedralbau
3 Restaurierungsgeschichte

Historische Einführung

1 Die Kirche von Rouen in Spätantike und frühem Mittelalter
2 Die Zeit des normannischen Herzogtums bis zum 12. Jahrhundert
3 Das historische Umfeld zur Zeit des Kathedralneubaus im 12. und 13. Jahrhundert
3.1 Die normannischen Herzöge
3.2 Zur Situation von Kirche und Klerus
3.3 Stadt und Bürgerschaft von Rouen

Zur Lage, Topographie und Entwicklung des Kathedralkomplexes

Die Vorgängerbauten der Kathedrale von Rouen

1 Der Kathedralkomplex im frühen Mittelalter
1.1 Schriftliche Quellen
1.2 Archäologische Quellen und Baubefund
1.3 Der Kathedralkomplex in frühchristlicher und vorromanischer Zeit
2 Die Kathedrale des 11. Jahrhunderts
2.1 Schriftliche Quellen
2.2 Ausgrabungsergebnisse und Baubefund der romanischen Kathedrale
Die romanische Krypta – Zum Kathedralbau des 11. Jahrhunderts – Die romanische Krypta – Zum Kathedralbau des 11. Jahrhunderts
2.3 Zu den Annexbauten der romanischen Kathedrale

Der Romanusturm (Tour Saint-Romain)

1 Quellenlage – Zum sogenannten Karrenkult
2 Lage und Beschreibung
3 Zur entwicklungsgeschichtlichen Stellung und Datierung des Romanusturmes
4 Zum Verbindungsbau zwischen Romanusturm und Kathedrale
5 Zur Funktion und Bedeutung des Romanusturmes

Der gotische Kathedralbau

1 Schriftliche Quellen aus der Zeit des Kathedralbaus
2 Heutiger Baubestand der Kathedrale und Rekonstruktion des Zustands im 13. Jahrhundert
3 Bauanalyse – Zur Definition der Bauphasen und -abschnitte
4 Die erste Langhausphase (Fassadenphase)
4.1 Anlage und Beschreibung
4.2 Rekonstruktion der gleichzeitigen Langhausplanung
4.3 Bauskulptur und Ikonographie der Westportale
4.4 Zur entwicklungsgeschichtlichen Stellung der Bauskulptur der Westportale
5 Die zweite Langhausphase
5.1 Erster Bauabschnitt der zweiten Langhausphase
5.2 Zweiter Bauabschnitt der zweiten Langhausphase
5.3 Dritter Bauabschnitt der zweiten Langhausphase
5.4 Vierter Bauabschnitt der zweiten Langhausphase
5.5 Bedeutung und Charakterisierung der zweiten Langhausphase
6 Die dritte Langhausphase
6.1 Erster Bauabschnitt der dritten Langhausphase
6.2 Zweiter Bauabschnitt der dritten Langhausphase
6.3 Charakterisierung der dritten Langhausphase
7 Vierte Langhausphase: die östlichen Langhausjoche
7.1 Charakterisierung der vierten Langhausphase
8 Querhaus- und Chorbauphase
8.1 Rekonstruktion der ursprünglichen Querhausfassaden
8.2 Bauabfolge der Ostteile
8.3 Erster Bauabschnitt: westliche Vierungspfeiler
8.4 Zweiter Bauabschnitt: Nordwestquerhaus
8.5 Dritter Bauabschnitt: Südwestquerhaus
8.6 Vierter Bauabschnitt: ›Kapellenanbau‹ am Nordquerhaus
8.7 Fünfter Bauabschnitt: östliche Querhauspfeiler
8.8 Sechster Bauabschnitt: Querhausostwand und Chorumgang
8.9 Letzter Bauabschnitt: Der Hochchor
8.10 Charakterisierung der Ostteile
9 Letzte Bauphase: Vierungsturm, Fertigstellung der Westfassade und der Querhaustürme

Entwicklungsgeschichtliche Stellung der Kathedrale von Rouen

1 Analyse der einzelnen Bauelemente
1.1 Zum Grundriß des Langhauses: Längenerstreckung und Jochanzahl
1.2 Der Aufriß des Langhauses
Die Scheinemporen – Das Langhaustriforium mit Segmentbogenabdeckung – Obergaden mit geschoßverbindender vorgestellter Arkatur – Geschoßproportionierung des Langhauses – Die Scheinemporen – Das Langhaustriforium mit Segmentbogenabdeckung – Obergaden mit geschoßverbindender vorgestellter Arkatur – Geschoßproportionierung des Langhauses
1.3 Pfeiler- und Vorlagenstrukturen des Langhauses
1.4 Bauskulptur des Langhauses
1.5 Grundriß der Ostteile und Chorschluß
1.6 Aufriß und Detailformen von Chor und Querhaus
Der Hochchor – Chorumgang und Querhaus – Der Hochchor – Chorumgang und Querhaus
1.7 Der Vierungsturm
1.8 Fassadengestaltungen und Äußeres
Westfassade – Der ursprüngliche Außenbau der Kathedrale – Die sogenannte Kapelle am Nordquerhaus
2 Die Stellung der Kathedrale innerhalb der gotischen Architektur der Normandie
2.1 Die Kathedrale von Rouen und die Stiftskirche Notre-Dame-et-Saint-Laurent in Eu
2.2 Das Langhaus der Abteikirche von Fécamp
2.3 Das Langhaus der Kathedrale von Coutances
2.4 Der Chor von Saint-Etienne in Caen
2.5 Die Kathedrale von Lisieux
2.6 Die Nachfolge der Kathedrale von Rouen
Saint-Sauveur in Les Andelys (Petit-Andely)
3 Zusammenfassung

Kathedralbau und Liturgie

1 Liturgische Quellen
2 Altar- und Kapellenpatrozinien
3 Zur liturgischen Nutzung der Architektur

Zusammenfassung der Ergebnisse

1 Die Bauzeit der Kathedrale
1.1 Der Romanusturm
1.2 Der Neubau der Kathedrale
1.3 Die Bedeutung des Brandes im Jahr 1200 für den Kathedralbau
1.4 Zu den originalen Glasfenstern der Kathedrale
2 Die Baumeister der Kathedrale von Rouen
3 Auftraggeber und Finanzierung der Kathedrale
3.1 Die Rolle des Kapitels und der Erzbischöfe von Rouen
3.2 Beziehungen der Herzöge der Normandie und des französischen Königs zur Kathedrale
3.3 Stiftungen seitens der Bürger
4 Schlußwort

Résumé en français

Anhang

1 Die Kathedrale als Grablege normannischer Herzöge
2 Zum Bischofsgrabmal im nördlichen Chorumgang
3 Daten zur Baugeschichte der Kathedrale nach Abschluß des hochgotischen Neubaus
4 Liste der Erzbischöfe von Rouen
5 Quellenmaterial
5.1 Auswahl für die Baugeschichte wichtiger Quellen
5.2 Aufbewahrungsorte und Auswahl der Archivalien
6 Zur Restaurierungsgeschichte der Kathedrale
6.1 Aufbewahrungsorte der Restaurierungsunterlagen
6.2 Chronologie der wichtigeren Maßnahmen
6.3 Leitende Architekten

Abkürzungen

Literaturverzeichnis

1 Abkürzungen nicht edierter Quellen
2 Quellensammlungen und edierte Handschriften
3 Monographien und Aufsätze

Abbildungsnachweis

Personenregister

Ortsregister

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EINLEITUNG (Auszug)

Die im Herzen der alten Seinemetropole und ehemaligen Hauptstadt des normannischen Herzogtums gelegene Kathedrale von Rouen ist heute zumeist eher durch ihre außergewöhnliche spätgotische Fassadenbildung, festgehalten in den impressionistischen Bildstudien Monets, als durch den eigentlichen hochgotischen Kathedralbau selbst bekannt. An der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert in einer relativ kurzen Bauzeit an der Stelle eines romanischen Vorgängerbaus errichtet, gehört sie jedoch zu den großen gotischen Kathedralbauten Frankreichs. Als Sitz des Erzbischofs der Normandie und zunächst noch in der Funktion als Krönungskirche der normannischen Herzöge begonnen, fiel ihre Entstehung in eine politisch äußerst wechselvolle Zeit der Auseinandersetzungen zwischen dem englisch-normannischen Machtbereich und der französischen Krone. Erst die Eroberung Rouens durch Philipp II. Augustus im Jahr 1204 beziehungsweise der Normandie insgesamt in der Schlacht bei Bouvines 1214 brachte eine Entscheidung.

Gemessen an ihrem ursprünglichen Rang und ihrem spannungsreichen historischen Umfeld erfuhr die Kathedrale von Rouen bis heute in der kunsthistorischen Forschung vergleichsweise wenig Beachtung. Dies liegt wohl einerseits an der seit dem 19. Jahrhundert vorherrschenden allgemeinen Vorliebe für die Gotik der Île-de-France beziehungsweise der romanischen Architektur in der Normandie; erst in jüngerer Zeit verstärkte sich das Interesse auch für die gotische Baukunst der Normandie. Andererseits fand die Kathedrale von Rouen vermutlich aufgrund ihrer ästhetischen Eigenheiten wenig Berücksichtigung, wobei ein Hauptproblem stets die Beurteilung des Langhauses bildete. Sein ungewöhnlicher viergeschossiger Aufriß, dessen Eindruck vor allem von der Form der Scheinemporen sowie der Lösung der Triforienzone mit der augenfälligen Segmentbogenreihung dominiert wird, mußte für eine durch die Gotik der Îe-de-France geprägte Betrachtungsweise fremdartig wirken und ließ sich weder in der kronländischen, noch in der normannischen Bautradition befriedigend einordnen. Als symptomatisch für diese ambivalente Beurteilung der Kathedrale von Rouen kann die Einschätzung Dehios und von Bezolds stehen, das System von Rouen sei, »so wie es ist, eine Mißbildung; es verhindert aber doch nicht, dank guter Querschnittsverhältnisse und wohlgestimmter Beleuchtung, das Zustandekommen eines bedeutenden Gesamteindrucks.«

Aus dieser Situation erklärt sich trotz einiger jüngerer Einzeluntersuchungen ein grundlegendes Forschungsdefizit hinsichtlich der Rouenneser Kathedrale. So gibt es bis heute weder eine detaillierte bauarchäologische Untersuchung, noch eine exakte Bauaufnahme oder entsprechendes Planmaterial. Ferner besteht keine Einigkeit bezüglich ihrer kunsthistorischen Stellung im Spannungsfeld zwischen der zeitgleichen gotischen Architektur der Îe-de-France und der der Normandie, ebensowenig hinsichtlich der zeitlichen Stellung der einzelnen Bauphasen, weshalb auch bislang jeder Versuch einer Beurteilung des Einflusses der politischen Situation auf den Kathedralbau problematisch blieb.

Vor dem Hintergrund dieser Forschungslage definieren sich die Ziele und Fragestellungen der vorliegenden Arbeit. Zur Erarbeitung der notwendigen Grundlagen werden zunächst die Vorgängerbauten der Kathedrale, die teilweise wesentliche Vorgaben für den gotischen Bau lieferten, untersucht. Der Schwerpunkt der Bauuntersuchung liegt auf der Analyse der bestehenden Kathedralarchitektur, angefangen bei dem frühgotischen Romanusturm bis zum Abschluß der Bautätigkeit im 13. Jahrhundert, wobei die ursprüngliche Gestalt des Kathedralbaus vor den nachträglichen Veränderungen wie dem Anbau der Seitenkapellen, der Erneuerung der Querhausfassaden, der Änderung der Westansicht und dem Bau der Tour de Beurre rekonstruiert werden soll. Mittels einer detaillierten bauarchäologischen Untersuchung wird der genaue Bauverlauf mit differenzierter Phasenabfolge und den jeweils zugrundeliegenden Planungen erarbeitet werden. Zur Vervollständigung des Dokumentationsmaterials wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung der Technischen Universität München eine photogrammetrische Aufnahme der Kathedrale durchgeführt. Ausgewertet wurde diese bislang jedoch erst als digitale Bildentzerrung der Senkrechtaufnahmen, um diesem Band bereits einen vollständigen Längsschnitt beifügen zu können.

Auf der Grundlage der Bauanalyse ist weiteres Ziel die Eingrenzung der zeitlichen Stellung der Rouenneser Kathedrale sowie ihre stilistische Einordnung mittels zwei unterschiedlicher Vorgehensweisen: einerseits durch eine Untersuchung der charakteristischen Einzelelemente und ihres Vorkommens in der zeitgenössischen Baukunst; andererseits durch eine Gegenüberstellung der jeweiligen Bauphasen mit zeitgleichen Bauprojekten innerhalb der Normandie zur Einbettung der Kathedrale in die normannische Kunstlandschaft im Hinblick auf gegenseitige Einflußnahmen und zur Beurteilung der Nachfolgebauten. Ein weiteres Kapitel ist der Beziehung von Architektur und Liturgie gewidmet, der Frage nach den ursprünglichen Kapellenpatrozinien sowie der konkreten Nutzung der durch die Architektur ausgebildeten Räume. Schließlich münden die Ergebnisse der Untersuchung des Quellenmaterials, der Bauanalyse und der kunsthistorischen Einordnung in eine zusammenfassende Auswertung, wobei auch eine Klärung der Fragen nach den Baumeistern, der Auftraggeberschaft und der Finanzierung der Kathedrale versucht wird.

Vorbemerkung zum Numerierungssystem:

Die Zählung der Joche sowie die der Pfeiler und Wandvorlagen folgt dem bereits bestehenden Numerierungssystem der Kathedrale, das – entsprechend dem Bauverlauf – von Westen nach Osten zählt (vgl. Beilage 1). Die Langhausjoche werden mit Buchstaben von A (1. Joch von Westen) bis K (11. Joch von Westen) bezeichnet. Die Pfeiler- und Vorlagenzählung erfolgt jochweise und innerhalb der Joche jeweils abwechselnd auf der Nord- und der Südseite, im Norden beginnend; ungerade Nummern befinden sich somit stets im Norden und gerade Nummern im Süden. Beispiele: Vorlage 1 bezeichnet diejenige der Nordwestecke des Langhauses, Vorlage 2 die Westwandvorlage der südlichen Mittelschiffarkade, Vorlage 3 diejenige der nördlichen Mittelschiffarkade und Nr. 4 die Vorlage der Südwestecke des Langhauses; Nr. 5 die folgende nördliche Seitenschiffvorlage zwischen Joch A und B, Pfeiler Nr. 6 den südlichen Langhauspfeiler zwischen Joch A und B etc.

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ZUSAMMENFASSUNG (Auszug – ohne Anmerkungen)

Der Nordturm, die Tour Saint-Romain, ist vermutlich in den mittleren 40er Jahren des 12. Jahrhunderts als großes Prestigeobjekt begonnen worden. Erzbischof Hugues d'Amiens war unmittelbar zuvor bei zwei Weihen in Saint-Denis anwesend: 1140 durfte er im Westbau einen Romanusaltar weihen sowie 1144 im Chor nochmals einen Marienaltar. Der Beginn des Turmbaus wenig später erscheint daher besonders signifikant und dürfte wahrscheinlich mit einer von den Bauaktivitäten in Saint-Denis ausgehenden Begeisterung in Verbindung stehen, wie sie in der folgenden Zeit verschiedene Kathedralbaustellen erfaßte. Nicht zufällig handelt es sich ähnlich wie in Saint-Denis – und zuvor auch schon in Chartres – um einen westlich gelegenen, weitgehend eigenständigen Baukörper. Daß die Kapelle im oberen Turmgeschoß vermutlich Romanus gewidmet war, ist angesichts seiner Bedeutung als Rouenneser Lokalheiliger nicht erstaunlich; darüber hinaus hatte er gerade durch die Kapellenweihe in Saint-Denis sogar überregionale Anerkennung erfahren, und zudem war auch die Verbindung zu einem Turmbau dort bereits vorgeprägt. Da sich in Rouen die Bauarbeiten auf einen etwas abseits stehenden Turm beschränkten, der offenbar weder in der Flucht der Fassade noch in der des Langhauses stand, kann man mit Gewißheit davon ausgehen, daß zu der Zeit des Turmbaus noch kein vollständiger Kathedralneubau geplant war. In dem Brief aus dem Jahr 1145 an Thierry, den Bischof von Amiens, berichtet Erzbischof Hugues d'Amiens von einem ›Karrenkult‹ bezüglich der Kathedrale von Rouen. Zwar werden hierbei nicht ausdrücklich Bauvorgänge genannt, doch ist aufgrund der Parallelen zu Chartres und Saint-Pierre-sur-Dives ein Bezug auf Bauaktivitäten möglich, wobei als einziges Vorhaben dieser Zeit im Bereich der Kathedrale der Romanusturm in Frage käme.

Die Vollendung des Turmes ist zeitlich nicht klar festzulegen. Daß 1171 ein Steinmetz einem Kanoniker der Kathedrale ein Haus verkauft, kann wohl kaum als Nachweis für den Abschluß von Bauarbeiten im Kathedralbezirk gedeutet werden. Auch das überlieferte Datum der Umbettung der Romanusreliquien in einen neuen Schrein 1179 dürfte sich nicht auf Bauvorgänge beziehen lassen.

Der Turm stand ursprünglich etwas abgesetzt von der romanischen Kathedrale, nordwestlich vor ihrer Fassade auf der Seite des Kanonikerbezirks. Die Nord-Süd-Öffnungen des Erdgeschosses bezogen sich auf einen wohl vor der Fassade entlangführenden Weg, während an der Westseite die Stadtbebauung relativ nahe an den Turm herangereicht zu haben scheint. Die Glocken des Romanusturmes läuteten offenbar auch zu nicht-kirchlichen Ereignissen, und der Obergeschoßraum diente möglicherweise zunächst auch kommunalen Funktionen. Die Position des Turmes spiegelt somit eine gemeinsame kirchliche und städtische Nutzung wider.

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RÉSUMÉ EN FRANÇAIS (extrait)

La cathédrale de Rouen n'a jusqu'ici occupé qu'une place secondaire dans la recherche sur les cathédrales gothiques françaises, bien qu'elle soit l'église métropolitaine de l'archidiocèse de Normandie, et qu'elle ait été, à l'origine, l'église du couronnement des ducs normands. L'une des raisons est probablement son caractère particulier. Avec son élévation à quatre niveaux, rendue atypique par la présence de fausses-tribunes et par la forme inhabituelle du triforium en arcs segmentaires, elle a en effet peu de ressemblance avec le gothique d'Île-de-France. L'autre raison est que c'est l'architecture romane qui a surtout focalisé l'intérêt en Normandie, ce qui se retrouve dans l'état de la recherche sur la cathédrale. Ainsi peut-on trouver plusieurs travaux sur les bâtiments antérieurs et sur la tour Saint-Romain, qui se situe à la transition entre le roman et le début du gothique, mais quasiment aucun sur le bâtiment gothique. Ce n'est que très récemment que deux études lui ont été consacrées: l'une dans le cadre de la thèse de Lindy Grant sur l'architecture gothique en Normandie, l'autre dans un article d'Emanuel Roth sur l'élévation de la nef. Ces deux contributions, à peu près contemporaines, arrivent à des conclusions très différentes sur le déroulement du chantier, mais aucun des auteurs n'avait pu se livrer, dans le cadre qu'il s'était fixé, à une analyse approfondie du bâtiment.

Une étude archéologique de la cathédrale fait donc toujours défaut, et le déroulement de sa construction, la reconstitution et la datation des différentes campagnes de construction, ainsi que la place de la cathédrale dans le développement de l'architecture gothique en Normandie, sont autant de questions qui n'ont pas encore pu être résolues de manière satisfaisante. L'objet du présent travail était donc dans un premier temps de reconstituer autant que possible l'histoire complexe de la cathédrale en étudiant le bâtiment. Pour ce faire, il s'est avéré indispensable de remettre à plat les résultats sur les bâtiments antérieurs afin de comprendre dans quelles conditions et sous quelles contraintes l'édifice gothique a été érigé. Dans un second temps, nous nous sommes fixé pour but de replacer la cathédrale dans l'architecture de son temps par un travail de comparaison sur chacune des campagnes de la construction. De cette manière, et à l'appui des sources qui nous sont parvenues, il devait ensuite être possible de bien situer le nouvel édifice dans son contexte historique. Ce travail n'aborde pas, par contre, les modifications postérieures à l'édifice gothique comme l'adjonction des chapelles latérales, la réfection des façades du transept et de la chapelle axiale, la construction de la tour de Beurre ou la reconstruction de la tour de la croisée.

Après la discussion des bâtiments antérieurs commence l'étude du bâtiment lui-même avec la Tour Saint-Romain, du premier art gothique, dont le rapport ni avec l'édifice roman, ni avec la cathédrale actuelle, n'avait été éclairci de manière satisfaisante. Une analyse approfondie du bâtiment a montré que, contrairement à l'opinion générale, la tour n'était pas reliée à la nef romane, mais avait toujours été isolée. Les murs qui relient aujourd'hui la tour à la nef n'ont été construits que lors de la construction de la nouvelle cathédrale (deuxième campagne de construction de la nef, voir ci-dessous). Ajoutons que ces murs ne furent jamais ceux d'un passage, comme on l'a supposé jusqu'alors. Il est de plus apparu que les arguments pour une reconstitution de la façade romane à l'emplacement de la façade actuelle ne tiennent pas: plusieurs indices suggèrent plutôt que la façade romane se trouvait probablement un peu plus à l'est. Ce n'est qu'ainsi que nous avons pu expliquer les grandes ouvertures de passage au rez-de-chaussée de la tour. La tour fut donc érigée seule vers le milieu du XIIème siècle. Rien ne permet de dire qu'une reconstruction de la cathédrale ait été prévue, encore moins réalisée, à ce moment. On peut aussi exclure qu'il y ait eu une autre reconstruction au XIIème, comme cela fut à maintes reprises postulé dans la littérature. En ce qui concerne l'utilisation initiale de la tour, il y a plusieurs raisons de supposer que sa fonction fut, de manière remarquable, simultanément ecclésiastique et communale.

La construction de la cathédrale dans sa totalité ne fut entreprise que quelques décennies après celle de la tour, et se déroula en cinq grandes campagnes d'ouest en est, d'abord la nef, puis le transept et le chœur. On peut reconnaître dans presque chacune des campagnes plusieurs phases. Le déroulement de la construction peut donc être reconstitué avec assez de précision.

...

La deuxième partie de ce travail est consacrée à la place de la cathédrale de Rouen dans le développement de l'architecture. Dans un premier temps, les éléments qui la caractérisent y sont abordés dans l'ordre dans lequel ils ont été conçus: plan, élévation (fausses tribunes, triforiums avec arcs segmentaires, fenêtres hautes doublées d'une arcature les reliant au triforium, proportion des niveaux), forme des piliers et piliers engagés, décor sculpté de la nef; ensuite, plan, élévation et détails du transept et du chœur; pour finir, tour de la croisée, composition des façades, état initial de l'extérieur du bâtiment et ancienne annexe au transept nord. De manière générale, on a pu retrouver dans les différentes campagnes de construction des rapports avec l'Ile de France, par contre très peu avec les bâtiments anglais.

Suit l'étude de la place de la cathédrale de Rouen au sein de l'architecture gothique en Normandie. Pour ce faire, on s'est efforcé de rapprocher chaque campagne de construction de la cathédrale de Rouen avec des édifices normands comparables et à peu près contemporains, ce qui a révélé un réseau d'influences réciproques. Les différentes campagnes de la construction trouvent bien leur place dans la chronologie relative du développement de l'architecture dans la région, ce qui fournit des éléments pour leur datation. Pendant la première campagne de la nef, comme plus tard pendant la construction du chœur, des liens étroits se manifestent avec les différentes campagnes de la cathédrale de Lisieux; à partir de la deuxième campagne de la nef, également avec Saint-Etienne de Caen; enfin, particulièrement avec la nef de la cathédrale de Coutances et l'église collégiale d'Eu, qui est la seule à reprendre l'élévation de la nef de la cathédrale de Rouen, ainsi qu'avec les travées Ouest de l'abbatiale de Fécamp. On s'est intéressé pour finir à la descendance de la cathédrale de Rouen à l'intérieur de l'archidiocèse, ainsi qu'au lien (important pour la question du maître d'œuvre) avec Saint-Sauveur au Petit-Andély, qui, de par l'histoire de la construction de la cathédrale, fait clairement partie de la descendance de Rouen. Des édifices moins importants de la descendance, comme par exemple Saint-Gervais-et-Saint-Protais à Gisors, fournissent un terminus ante quem pour la construction du chœur à Rouen.

Un chapitre propre est consacré au lien entre la liturgie et l'architecture de la cathédrale de Rouen. On a ainsi cherché à reconstituer les vocables des autels et des chapelles d'origine. La question de l'utilisation liturgique de l'architecture et des différentes parties de la cathédrale nous a amené à conclure que les espaces architectoniques principaux (chœur, déambulatoire, transept avec chapelles, nef, bas-côtés, parvis, etc.) furent tous utilisés pour des occasions différentes dans les processions et les jeux liturgiques. L'utilisation de certains lieux est également riche d'information, comme c'est le cas par exemple des endroits surélevés pour les chanteurs et les acteurs. On peut prouver que le triforium fut utilisé ainsi; dans la zone ouest de la cathédrale, ce fut à l'origine probablement également le cas pour l'ouverture sud vers le parvis au deuxième étage de la tour Saint-Romain.

...

Les sources font clairement apparaître que des travaux étaient déjà en cours avant l'incendie de 1200. Ce n'est donc pas à cause de lui que le nouveau bâtiment a été construit, même s'il a probablement influencé le déroulement de la construction. On peut penser que l'achèvement de la nef ouest dans la troisième campagne de construction répondait au désir d'assurer la continuité du culte malgré les destructions de l'incendie. Les nombreux événements qui ont eu lieu à l'intérieur de la cathédrale pendant toute la durée du chantier vont également à l'encontre d'une longue interruption de son utilisation. Il semble bien plus qu'il y eurent toujours des parties soit du bâtiment primitif, qui ne fut manifestement démoli qu'au fur et à mesure, soit ensuite du nouveau bâtiment gothique, qui furent utilisables. Ceci expliquerait également qu'aucune date de consécration à la fin du nouvel édifice ne nous soit parvenue.

La chronologie est aussi significative pour la question des architectes: c'est ainsi qu'on peut n'associer Jean d'Andely, cité à partir de 1206–1207, qu'à une des campagnes tardives de la construction, tandis qu'il est exclu qu'il ait conçu les premières parties de la nef. Le ou les premiers architectes de la cathédrale de Rouen, et ainsi les auteurs des fausses tribunes, restent malheureusement inconnus. Si Jean d'Andély était véritablement originaire des Andélys et y avait d'une quelconque manière pris part à la construction de Château-Gaillard, où la rapidité de la construction témoigne d'une organisation très élaborée du chantier, on pourrait lui attribuer la quatrième campagne de la nef avec ses techniques de construction hautement perfectionnées. Ingelram, nommé au Bec en 1214, est associé au début de la partie est; on ne peut trancher la question de son éventuelle responsabilité à Rouen après son départ pour le Bec.

On trouve peu d'indications dans les sources sur le financement de la construction du nouvel édifice. C'est le chapitre avec le soutien des donations des habitants, et non pas la maison ducale ni, après la conquête, la maison royale, qui finança en premier lieu le chantier, et qui par le choix des architectes successifs l'influença de manière décisive. La situation financière, au début lourdement grevée par des éléments extérieurs comme la croisade ou la constitution de la rançon pour Richard Cœur-de-Lion, n'était pas favorable à l'entretien d'une grande fabrique, ce qui fut, avec les soulèvements des années 90 du XIIème siècle, une des causes essentielles pour la progression très lente du chantier des premières travées et pour la décision de réutiliser les fondations du bâtiment roman. Ce n'est qu'au tournant du siècle que la situation financière semble s'être stabilisée, ce qui serait en bon accord avec la progression rapide de la construction dans les parties est.

Pour ce qui est de savoir si la construction de la cathédrale de Rouen porte des marques de la situation politique, qui pendant la reconstruction changea fondamentalement avec la conquête de la Normandie par Philippe-Auguste, on peut constater que dès le début de la construction, c'est-à-dire avant la conquête, on trouve des éléments caractéristiques français. Néanmoins, ils sont pour certains utilisés de manière inhabituelle, ce qui trahit le fait qu'ils ne faisaient pas partie du vocabulaire courant. Au cours de la troisième campagne de la nef, l'introduction d'un triforium et l'utilisation du mur mince au niveau des fenêtres hautes reflète peut-être une orientation renforcée vers les bâtiments du royaume français. Dans le chœur, les formes françaises semblent dominer avec le triforium (constitué de plusieurs petites arcatures identiques au lieu des arcs segmentaires) et l'élévation à trois niveaux; cela dit, le déambulatoire est purement influencé par l'architecture normande. Ainsi ne détecte-t-on pas de trace de rupture dans le temps ou de réorientation, mais plutôt l'utilisation continue de formes françaises interprétées suivant la tradition normande.

L'élévation de la cathédrale de Rouen, avec les fausses tribunes, occupe une place particulière dans l'histoire générale de l'architecture des cathédrales. Ce type d'élévation a pourtant vu le jour à Rouen à une époque ou, dans des bâtiments comme Chartres, Bourges ou Soissons, on tentait différentes expériences pour abandonner l'élévation traditionnelle à quatre niveaux avec tribune du début du gothique. L'élévation de la nef de Rouen apparaît donc comme une réponse à la même problématique. Le fait que des fausses-tribunes les ouvertures aient été conservées peut être attribué au goût normand pour les tribunes ou les niveaux y ressemblant. Il faut noter qu'au sein de la Normandie, Rouen est le premier bâtiment qui se passe complètement de l'espace des tribunes. C'est ainsi que ce motif, qui représente un compromis entre les deux régions, démontre de manière éclatante la recherche constante, indépendamment des ruptures politiques de cette époque, de solutions dans lesquelles se confrontent la tradition de construction normande et l'influence constante du royaume français.

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