Dieter Langewiesche

Staat, Nation und Föderation in der europäischen Geschichte

Gerda Henkel Vorlesung
Herausgegeben von der Gerda Henkel Stiftung

2008, 28 Seiten, broschiert
2008, 28 pages, paperback

ISBN 978-3-930454-85-3
Preis/price EUR 9,20

16,5 × 24cm (B×H), 150g

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Zum Inhalt:

Jeder Staat und jede Nation verfügt über Ursprungsmythen. In ihnen sucht die Gegenwart Rückhalt an der Vergangenheit für die Gestaltung der Zukunft. Auch die Europäische Union blickt zurück, um dem europäischen Haus, das sich abzeichnet, ein historisches Fundament zu schaffen. Der Vortrag nimmt eine andere Perspektive ein. Er richtet nicht die Vergangenheit auf die Gegenwart aus, sucht nicht nach Kontinuitäten, sondern rückt das Trennende in den Mittelpunkt. Nur so lässt sich das Neue am heutigen Europa erkennen: ein politisches Laboratorium, in dem eine staatenübergreifende föderative Ordnung erprobt wird, die historisch ohne Vorbild ist.

Föderation zielt auf freiwillige Machtteilung. Darauf war das Europa der Nationen und Nationalstaaten, wie es seit dem späten 18. Jahrhundert entstand, nicht angelegt und seine Vorläufer auch nicht. Jede Nation erhob Anspruch auf den eigenen Nationalstaat, jeder Nationalstaat beanspruchte ungeteilte Souveränität. Wie kam es dazu? Warum erwiesen sich Nation und Nationalstaat gegenüber allen anderen staatlichen und gesellschaftlichen Ordnungsmodellen als konkurrenzlos attraktiv? Zunächst in Europa, dann weltweit. Welche Erwartungen verbanden die Menschen mit ihnen? Und welche Versuche wurden unternommen, das Europa der Nationen und Nationalstaaten über die Staatengrenzen hinweg handlungsfähig zu machen? Es geht um die staatliche Bauform des modernen Europa, wie sie im 19. Jahrhundert geformt wurde, und um ihre ideellen Grundlagen. Vor diesem historischen Hintergrund wird die Europäische Union als Versuch einer weltgeschichtlichen Innovation sichtbar.


Zum Autor:

Geboren 1943 in St. Sebastian (Österreich). Studium der Geschichte, Germanistik, Politikwissenschaft in Heidelberg. Promotion 1973, Habilitation für neuere Geschichte 1978 in Würzburg. 1978–1985 Professor für Sozialgeschichte an der Universität Hamburg, seit 1985 Lehrstuhl für mittlere und neuere Geschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1993–1995 Mitglied des Wissenschaftsrates. Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin 1994/95. 1996 Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1997–2000 Mitglied im dreiköpfigen Gründungsrektorat der Universität Erfurt.

Buchpublikationen: Liberalismus und Demokratie in Württemberg zwischen Revolution und Reichsgründung (1974); Zur Freizeit des Arbeiters. Bildungsbestrebungen und Freizeitgestaltung österreichischer Arbeiter im Kaiserreich und in der Ersten Republik (1980); Europa zwischen Restauration und Revolution 1815–1849 (1985, 5. Auflage 2007); Liberalismus in Deutschland (1988; englisch 2000); »Republik« und »Republikaner«. Zur historischen Entwertung eines politischen Begriffs (1993); 1848 und 1918 – zwei deutsche Revolutionen (1998); Nation, Nationalismus, Nationalstaat in Deutschland und Europa (2000); Politikstile im Kaiserreich. Zum Wandel von Politik und Öffentlichkeit im Zeitalter des ›politischen Massenmarktes‹ (2002); Liberalismus und Sozialismus. Gesellschaftsbilder – Zukunftsvisionen – Bildungskonzeptionen (2003); Zentralstaat – Föderativstaat. Nationalstaatsmodelle in Europa im 19. und 20. Jahrhundert (2003, deutsch u. polnisch); Liberalismus und Demokratie im Staatsdenken von Theodor Heuss (2005).

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