Martin Honecker

Religion

Naturanlage oder Illusion?

Gerda Henkel Vorlesung
in der Vortragsreihe »Das Menschenbild in der Wissenschaft«

Herausgegeben von der gemeinsamen Kommission der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der
Gerda Henkel Stiftung

2000, 32 Seiten, 2 Abbildungen, broschiert
2000, 32 pages, 2 figures, paperback

ISBN 978-3-930454-20-4
Preis/price EUR 9,20

16,5 × 24cm (B×H), 180g

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Zum Inhalt:

In der Neuzeit wird strittig, ob »Religion« überhaupt ein menschliches Grundphänomen ist. Das neuzeitliche Denken hat nämlich zugleich erstmals einen Allgemeinbegriff für Religion gebildet und gleichzeitig die aufgeklärte Religionskritik formuliert. Bis dahin waren andere Begriffe wie z.B. Glaube (fides), Frömmigkeit (pietas), Gottesverehrung (cultus dei) bestimmend. Die aufgeklärte Religionstheorie suchte erstmals das Gemeinsame aller Religionen in einer humanen Naturanlage zu erfassen, einem »religiösen Apriori«. Menschen sind danach von Natur religiös. Von der Religiosität als anthropologischen Datum sind freilich die konkreten, geschichtlich gewordenen Religionen zu unterscheiden, die es nur als »positive« Religionen im Plural gibt. Die Religionskritik sucht hingegen Religion als »Projektion« menschlicher Sehnsüchte und Wünsche (F. Feuerbach, ihm folgend K. Marx) und als »Illusion« (S. Freud) zu entlarven. Diese Spannung zwischen Religion als fundamentalanthropologischer Gegebenheit und der Bestreitung von Religion seitens der Religionskritik wurde im 20. Jahrhundert exemplarisch in der evangelischen Theologie theologisch reflektiert (K. Barth, D. Bonhoeffer). Der Beitrag erörtert das Spannungsverhältnis zwischen Offenbarung und Religion, Evangelium und Religion, Glaube und Evangelium und fragt nach den anthropologischen Voraussetzungen theologischer und ideologischer Kontroversen um »Religion«.


Zum Autor:

Geboren 2. Mai 1934 in Ulm/Donau. Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen und Basel. Promotion 1960 und Habilitation 1965 an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Seit 1969 Professor für Sozialethik und Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1988–1991 Präsident der Societas Ethica. Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften seit 1979. Mitglied des Ethikbeirats beim Bundesministerium für Gesundheit und der zentralen Ethik-Kommission bei der Bundesärztekammer. Hauptarbeitsgebiete: Evangelische Ethik, insbesondere Sozialethik mit Schwerpunkten in der Wirtschaftsethik und in der medizinischen Ethik; Fundamentaltheologische Probleme der Ethik und des Kirchenverständnisses.