Lyndal Roper

Luther und ich: Wie eine Frau dazu kam, die Biographie eines Patriarchen zu schreiben

Verleihung des Gerda Henkel Preises 2016

Gerda Henkel Vorlesung
Herausgegeben von der Gerda Henkel Stiftung

2017, 40 Seiten, 5 Beiträge, 8 Abbildungen, broschiert/Fadenheftung
2017, 40 pages, 5 essays, 8 figures, paperback/sewn

ISBN 978-3-86887-038-1
Preis/price EUR 9,20

16,5 × 24cm (B×H), 200g

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Aus dem Inhalt / from the book:

Kurzbeschreibung
Inhaltsverzeichnis
Textauszug
Zum Autor

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Kurzbeschreibung:

Die Jury begründete ihre Empfehlung wie folgt: »Die australisch-britische Historikerin Lyndal Roper, Regius Professorin für Geschichte an der Universität Oxford, gehört zu den weltweit renommiertesten Vertreterinnen und Vertretern der Geschichte der Frühen Neuzeit. Sie hat bahnbrechende Arbeiten zur Sozial-, Geschlechter-, Psycho- und Körpergeschichte vorgelegt, die gleichermaßen durch theoretischen Scharfsinn, souveräne Beherrschung einer imponierenden Fülle von Quellen und eine geschliffene Sprache zu bestechen vermögen. In ihren Forschungen zum Reformationszeitalter hat Frau Roper die Beziehungen zwischen Religionen und sozialer Ordnung in einer völlig neuartigen Weise konzeptualisiert. Die Untersuchungen über Hexerei und Hexenverfolgung markieren den forschungsgeschichtlich nachhaltigen Übergang von der Frauengeschichte zur Geschlechtergeschichte. Die jüngsten, von einem körpergeschichtlichen Ansatz geleiteten Studien zur Biographie Martin Luthers werden im Lutherjahr 2017 sicherlich den Verlauf der Debatte über den Reformator nachdrücklich mitbestimmen. Lyndal Roper, die auch weit über die epochalen Grenzen der Frühen Neuzeit hinaus Wirksamkeit zu entfalten vermag, zählt zu den prägenden Gestalten der internationalen Geschichtswissenschaft.«

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Inhaltsverzeichnis:

Grußwort
Johanna Wanka

Zum Geleit
Julia Schulz-Dornburg

Begrüßung
Michael Hanssler

Laudatio
Barbara Stollberg-Rilinger

Luther und ich
(Gerda Henkel Vorlesung)

Lyndal Roper

Lyndal Roper
Vita, ausgewählte Publikationen

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Textauszug:

Interessanterweise sind fast alle Bemerkungen Luthers, die zu den stark überzogen sexistischen Äußerungen gehören, in einem bestimmten Zusammenhang gefallen: bei Tisch, in der Gegenwart anderer Reformatoren aus Wittenberg, von Studenten und Logiergästen, die an der Mahlzeit teilnahmen. Und einen Großteil der Zeit war Katharina schwanger oder stillte ein Kind. Nichts hätte die Unterschiede zwischen den Geschlechtern stärker hervorheben können, und es ist deswegen keineswegs überraschend, dass die sexistischen Anspielungen ein gängiges Element der Unterhaltung gewesen sein sollten, wenn Katharinas Fruchtbarkeit so unübersehbar war.

Erstaunlicherweise machte Luther diese Bemerkungen am gleichen Ort, an dem er schon Mönch gewesen war, denn der Kurfürst von Sachsen hatte das Eigentum an dem Augustinerkloster auf Luther übertragen. An die Stelle der Lesung frommer Texte, die vorgetragen wurden, während die Mönche aßen, waren bei Luther nun die Tischgespräche getreten, in Anwesenheit einer Frau, im Beisein seiner Familie.

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Zum Autor:

Lyndal Anne Roper, geboren 1956, studierte an der Universität Melbourne Geschichte und Philosophie. 1985 wurde sie am King’s College der Universität London promoviert. Nach Stationen an der Universität London, dem Wissenschaftskolleg zu Berlin und dem Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen lehrte sie als Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit am Royal Holloway College der Universität London. 2002 wechselte sie an das Balliol College der Universität Oxford. Seit 2011 ist sie als erste Frau »Regius«-Professorin am Oriel College der Universität Oxford. Im Juni 2016 erschien ihre englischsprachige Biographie »Martin Luther. Renegade and Prophet« (deutsche Ausgabe: Der Mensch Martin Luther. Die Biographie, September 2016).

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