Rosel Pientka

Die spätaltbabylonische Zeit
(Abiesuh bis Samsuditana) –

Quellen, Jahresdaten, Geschichte

Imgula
Band 2
Herausgegeben von Walter Sommerfeld

1998, 710 Seiten, broschiert
1998, 710 pages, paperback

ISBN 978-3-930454-11-2
Preis/price EUR 58,–

14,8 × 21cm (B×H)

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Kurzbeschreibung:

Die Quellen und die historischen Ereignisse der ausgehenden altbabylonischen Epoche bilden den Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.

Der Band stellt das Korpus der spätaltbabylonischen Urkunden zum ersten Mal vollständig zusammen. Sämtliche Texte werden nach ihren Herkunftsorten gegliedert, die lokalspezifischen Charakteristika (Toponyme, Lokalpantheons) beschrieben sowie die Archivzusammenhänge der Städte Babylon, Supur-Subula, Dilbat und Kis dargestellt.

Die komplette Auflistung aller spätaltbabylonischen Jahresdatenformeln dient als Ausgangspunkt für eine Untersuchung der sumerischen Sprache dieser Zeit.

Die wesentlichen Elemente der Geschichte des von Verfall und Untergang bedrohten Reiches der 1. Dynastie von Babylon, wie sie in den Datenformeln, Urkunden und Briefen deutlich werden, werden eingehend analysiert.

* * *

This Study deals with the sources and the historic events of the Late Old Babylonian period.

The volume presents a unique compilation of all Late Old Babylonian documents. All texts are organized according to their provenience, specific local characteristics (toponyms, local pantheons) are described and the archive structures of Babylon, Supur-Subula, Dilbat und Kis are discussed.

A complete list of the Late Old Babylonian year names is the basis for a study of the Sumerian language of the period.

The main historical elements of the late 1st Babylonian dynasty, which – as clearly shown in the year names, documents, and letters – was threatened with decay and ruin, are analysed in detail.


Aus dem Inhalt:

INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort
Abkürzungsverzeichnis

TEIL 1. DIE SPÄTALTBABYLONISCHE ZEIT

1 Einleitung

1.1 Abgrenzung des Themas
1.2 Die Ausgangslage: Die Entwicklung der Babylon-Dynastie unter Hammurapi und seinem Nachfolger Samsuiluna
2 Die Jahresdatenformeln
2.1 Abiesuh
2.2 Ammiditana
2.3 Ammisaduqa
2.4 Samsuditana
3 Das Sumerische der spätaltbabylonischen Urkunden
3.1 Die Sumerogramme
3.2 Die sumerischen Jahresdatenformeln
4 Das Fortbestehen südbabylonischer Traditionen
4.1 Der Sprachgebrauch
4.2 Kultverschiebung Uruk – Kis
4.3 Weitere Kultverschiebungen
4.4 Sumerische Eigennamen
4.5 Siegelinschriften religiösen Inhalts
5 Historische Auswertung der Jahresdatenformeln
5.1 Inthronisation und »Herstellung der Gerechtigkeit«
5.2 Bautätigkeiten
5.3 Kanalanlagen
5.4 Militärische Unternehmungen
5.5 Stiftungen
6 Der Gnadenerlaß in der spätaltbabylonischen Zeit
6.1 Sitz im Leben
6.2 Ökonomische Krisenzeit
7 Feindliche Bedrohung
7.1 Die Kassiten
7.2 Esnunna
7.3 Andere »Fremdvölker« in Babylonien
7.4 Die 1. Meerlanddynastie
7.5 Elam
8 Ausblick

TEIL 2. DIE SPÄTALTBABYLONISCHEN URKUNDEN

9 Die spätaltbabylonischen Urkunden aus Babylon

9.1 Geographische Eigennamen
9.1.1 Städte, Stadtteile und Ortschaften
9.1.2 Babylon (KÁ.DINGIR.RA.ki)
9.1.3 Fluren (A.GÀR)
9.1.4 Felder und Gärten
9.1.5 Flüsse/Kanäle
9.1.6 Straßen
9.1.7 Tore
9.2 Pantheon und Kulte
9.2.1 Tempelpersonal
9.2.2 Tempel
9.2.3 Weitere Götter
9.2.4 Eid
9.3 Spezifische Berufe
9.4 Charakteristische Begriffe und Redewendungen
9.4.1 Maße
9.5 Exkurs: Dattelpalmgärten
10 Ein Abiesuh-zeitliches Archiv
11 Die spätaltbabylonischen Urkunden aus Kis
11.1 Geographische Eigennamen
11.1.1 Städte und Ortschaften
11.1.2 Kis (Kis.ki)
11.1.3 Bezirke (ersetum)
11.1.4 Fluren (A.GÀR)
11.1.5 Felder
11.1.6 Tore
11.1.7 Straßen/Plätze
11.1.8 Speicher
11.1.9 Gebäude
11.1.10 Flüsse/Kanäle
11.1.11 Häfen
11.2 Pantheon und Kulte
11.2.1 Tempelpersonal
11.2.2 Tempel
11.2.3 Opfer
11.2.4 Götter als Zeugen
11.2.5 Eid
11.3 Spezifische Berufe
11.4 Charakteristische Begriffe und Redewendungen
11.4.1 Besondere Textarten
11.4.2 Maße
12 Die spätaltbabylonischen Urkunden aus Supur-Subula
12.1 Geographische Eigennamen
12.1.1 Städte und Ortschaften
12.1.2 Fluren (A.GÀR)
12.1.3 Tore
12.1.4 Flüsse/Kanäle
12.2 Pantheon und Kulte
12.2.1 Tempelpersonal
12.2.2 Eid
12.3 Spezifische Berufe
12.4 Charakteristische Begriffe und Redewendungen
12.4.1 Besondere Textarten
12.4.2 Maße
13 Die spätaltbabylonischen Urkunden aus Dilbat
13.1 Geographische Eigennamen
13.1.1 Städte und Ortschaften
13.1.2 Dilbat (Dil-bat.ki)
13.1.3 Bezirke (ersetum)
13.1.4 Fluren (A.GÀR)
13.1.5 Felder
13.1.6 Tore
13.1.7 Speicher
13.1.8 Flüsse/Kanäle
13.1.9 Häfen
13.2 Pantheon und Kulte
13.2.1 Tempelpersonal
13.2.2 Opfer
13.2.3 Götter als Zeugen
13.2.4 Eid
13.3 Spezifische Berufe
13.4 Charakteristische Begriffe und Redewendungen
13.4.1 Besondere Textarten
13.4.2 Maße

14 Die spätaltbabylonischen Urkunden aus Sippar
15 Die spätaltbabylonischen Urkunden aus Tell ed-Der
16 Die spätaltbabylonischen Urkunden unbekannter Herkunft
17 Literaturverzeichnis

INDEX

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EINLEITUNG (Auszüge – ohne Anmerkungen oder Diakritika)

Die altbabylonische Zeit gehört zu den am besten dokumentierten Abschnitten der altorientalischen Geschichte; aus dieser etwa 400 Jahre währenden Epoche (1936–1530 v.Chr.) sind bislang ungefähr 25.000 Texte der verschiedensten Gattungen veröffentlicht worden.

Die Forschung hat sich jedoch bisher auf die sehr wechselvollen, hochinteressanten Anfangsphasen dieser Epoche konzentriert. Insbesondere die Zeit König Hammurapis – einer Herrschergestalt, deren Ruhm in der Antike über ein Jahrtausend weiterlebte – war Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen.

Dagegen haben die letzten 150 Jahre der altbabylonischen Geschichte, die Ära post Hammurapi, die die spätaltbabylonische Zeit genannt wird, bisher kaum entsprechendes Interesse in der Altorientalistik gefunden. Erst in den letzten Jahren setzte eine intensivere Beschäftigung gerade mit der schriftlichen Überlieferung der letzten vier Könige (Abiesuh bis Samsuditana) dieser Epoche ein. Diese Entwicklung dürfte zu einem großen Teil darauf zurückzuführen sein, daß erstmalig archäologische und schriftliche Hinterlassenschaften dieser Zeitstufe durch reguläre Grabungen im nordbabylonischen Tell ed-Der zu Tage kamen. Vor dieser bedeutenden Entdeckung einer spätaltbabylonischen Stadt, die u.a. exakte Aufschlüsse über den Fundzusammenhang einzelner Archive geben konnte, mußte der an dieser Zeit interessierte Philologe auf ein Textmaterial zurückgreifen, das überwiegend aus Raubgrabungen stammte und ansonsten meist schlecht dokumentiert war. Eine eingehendere Untersuchung dieses Textkorpus blieb bisher aus.

Dieser unzureichende Forschungsstand steht jedoch in einem krassen Mißverhältnis zur recht günstigen Quellenlage und zur Bedeutung dieser Epoche, in der die bislang noch kaum erforschte unruhige politische Geschichte mit einschneidenden sozialen und administrativen Veränderungen einherging und auf vielerlei Gebieten eigenständige Entwicklungen mit nachhaltigen Wirkungen zu verzeichnen sind.

In der folgenden Untersuchung der geschichtlichen Zusammenhänge der spätaB Zeit werden wesentliche historische Begebenheiten, basierend auf einer umfangreichen Quellenforschung, dargestellt. Dabei hat sich die Präsentation in Form einer Zweiteilung als sinnvoll herausgestellt. Das Korpus aller spätaB, d.h. in der Regierungszeit der Könige Abiesuh bis Samsuditana verfaßten Urkunden, wird nach formalen und inhaltlichen Kriterien aufgeschlüsselt, so wie es sich beim gegenwärtigen Kenntnisstand darstellen läßt. Die lückenlose Erfassung des gesamten veröffentlichten Materials, also der datierten und undatierten Urkunden, wurde dabei angestrebt. Die sowohl nach Herkunftsorten als auch nach den einzelnen Urkundenarten vollzogene Gliederung der Texte soll eine anschauliche Übersicht über das Korpus der ca. 1700 veröffentlichten Urkunden vermitteln.

Basierend auf dieser Aufarbeitung der Urkunden – unter Einbeziehung aufschlußreicher spätaB Briefe – wird versucht, einzelne Bereiche der spätaB Geschichte zu rekonstruieren. Dabei werden zunächst die Jahresdatenformeln, besonders aussagefähige Quellen dieser Zeit, zusammengestellt und ausgewertet. Deren historische Authentizität, die oftmals von einer von der Königsideologie geprägten Norm überlagert ist, wird vor dem Hintergrund der aus dem Alltagsmilieu stammenden zeitgenössischen Urkunden und Briefe untersucht.

Es ergibt sich das Bild einer unruhigen politischen Zeit, in der der kontinuierliche Niedergang der 1. Dynastie von Babylon von ständigen Krisen und Konflikten begleitet war.

Dieser Bestandsaufnahme liegt hauptsächlich das reichhaltige bereits veröffentlichte Textmaterial zugrunde. Sie will eine Basis bieten, auf der die weiterführende Forschung unter Einbeziehung der noch unpublizierten Quellen aufbauen kann.

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Abgrenzung des Themas

Die Geschichtsschreibung Mesopotamiens hat im wesentlichen drei Bereiche zu berücksichtigen: die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse.

So behandelt die »politische Geschichte« hauptsächlich die inneren Zusammenhänge eines abgegrenzten Staates, ohne die Wechselbeziehungen zu äußeren politischen Systemen außer acht zu lassen.

Die »wirtschaftliche Geschichte« befaßt sich mit den ökonomischen Begebenheiten, wobei Ackerbau, Viehwirtschaft, Handwerk und Handel jeweils eine große Rolle spielen.

Schließlich beschreibt die »gesellschaftliche Geschichte« ein Gesellschaftssystem mit seinen sozialen, rechtlichen, religiösen und kulturellen Vorstellungen.

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, hauptsächlich die »politische Geschichte« des spätaltbabylonischen Reiches zu umreißen. Bestimmte Aspekte werden im Detail behandelt; andere, an Bedeutung sicherlich nicht zurückstehende, können auf Grund der Quellenlage nur skizziert werden. Zahlreiche Fragestellungen, die auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Gebiete übergreifen, sind infolge des oft unmittelbaren Zusammenhanges mit der politischen Geschichte notwendigerweise einzubeziehen. Ein komplexes System hauptsächlich politischer, aber auch sozioökonomischer Begebenheiten soll dem Leser vermittelt werden.

Die hier zu behandelnde spätaB Periode umfaßt das Ende der sogenannten altbabylonischen Epoche, die von 1936–1530 v.Chr. datiert wird.

Der zeitliche Rahmen wird vorgegeben durch die Regierungszeiten der vier Könige Abiesuh bis Samsuditana. Die Abgrenzung dieser Periode ergibt sich zwangsläufig aus der Quellenlage, denn zwischen den beiden Nachfolgern Hammurapis – Samsuiluna und Abiesuh –- besteht ein Bruch, der sowohl die Herkunft der Texte als auch deren formellen Aufbau und Inhalt betrifft.

Im Gegensatz zum Reich Samsuilunas, das sich noch über große Teile Südbabyloniens erstreckt, beschränkt sich der Herrschaftsbereich seiner vier Nachfolger nur noch auf ein Kerngebiet Nordbabyloniens. Dieses umfaßt die zentralen Städte Babylon, Dilbat, Kis und Sippar sowie deren Umland. Die gesamte bis dahin blühende schriftliche Überlieferung Südbabyloniens fällt nach Samsuiluna weg. Die Rechts- und Verwaltungsurkunden Nordbabyloniens weisen ein streng eingehaltenenes Formular mit einem für diese Zeit spezifischen Vokabular auf. So ist das spätaB Textkorpus von demjenigen der vorangehenden altbabylonischen Epoche klar abzugrenzen.

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Die Ausgangslage: Die Entwicklung der Babylon-Dynastie unter Hammurapi und seinem Nachfolger Samsuiluna

Als Blütezeit der altbabylonischen Epoche gilt die Regierungszeit Hammurapis (1728–1686 v.Chr.). Dieser Herrscher amurritischer Herkunft kann sich am Ende seines Königtums als Eroberer von ganz Mesopotamien, d.h. einem Gebiet, das sich vom Persischen Golf bis zum Mittleren Euphrat erstreckt, bezeichnen.

Die Expansionspolitik Hammurapis ist bei Gasche 1989, S. 133f., treffend zusammengefaßt: Bei Regierungsantritt erstreckt sich sein Herrschaftsgebiet auf einen Umkreis von 50–100km um die Hauptstadt Babylon. Schon in seinem 6. Regierungsjahr leitet er eine erfolgreiche Expedition gegen Isin und Uruk, womit er sich Larsa, der Residenz von Rim-Sin I., auf eine Entfernung von höchstens 25km nähert. Danach richtet er sein Augenmerk auf die osttigridischen Gebiete, dringt in das Euphrat-Tal ein und stürmt Rapiqum und Salibi. In seinem 30. Regierungsjahr wird Larsa endgültig unterworfen und das Land Jamutbal annektiert. Es folgen in den beiden nächsten Jahren zuerst die Unterwerfung Esnunnas, danach die Eroberung Maris.

Der beginnende Verfall unter Samsuiluna

Allerdings kann das somit beträchtlich vergrößerte Königreich nur für kurze Zeit und unter großem Kraftaufwand zusammengehalten werden. Wie sich im folgenden zeigt, bestimmen zahlreiche Machtstreitigkeiten bereits unter Hammurapis Sohn Samsuiluna (1685–1648 v.Chr.) das politische Geschehen. Das Reich schrumpft.

Nur wenige Texte geben einen konkreten Einblick in die politischen Ereignisse dieser Zeit. Der stufenweise Verlust Süd- und Mittelbabyloniens wird gerade durch ein hier zu beobachtendes Aussetzen der schriftlichen Überlieferung angezeigt. Die nachfolgenden Ausführungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß es an zusammenhängenden Archiven von Urkunden und Briefen aus Süd- und Mittelbabylonien mangelt, anhand derer man Erfolge und Niederlagen der babylonischen Armeen direkt verfolgen könnte.

Infolgedessen muß auf die Interpretation anderer Textzeugen ausgewichen werden, die uns neben den archäologischen Befunden einzig zur Verfügung stehen. Es handelt sich um die offiziellen Texte aus der Regierungszeit Samsuilunas: die Jahresdatenformeln und die Königsinschriften.

Im folgenden werden die bisher greifbaren politischen Geschehnisse aus der Herrschaft Samsuilunas zusammengefaßt. Dabei spielen vor allem die feindliche Bedrohung Babyloniens sowie die wechselnde Ausdehnung des Reiches eine große Rolle.

Die Jahresdatenformeln

Zahlreiche Jahresdatenformeln Samsuilunas berichten von kriegerischen Ereignissen und vermitteln somit einen Eindruck dieser bewegten Zeit ...

Angesichts der Tatsache, daß der Umfang des Reiches ständig zurückging, muten die Wortlaute dieser Jahresdatenformeln prahlerisch und übertrieben an. Mehr oder weniger unfreiwillig geführte Abwehrmanöver werden als siegreiche militärische Unternehmen deklariert. Es besteht ein Widerspruch zwischen dem, was als offizielle Jahresdatenformel bekanntgegeben wurde, und dem, was tätsächlich geschah. Dies ist vor dem Hintergrund der nachfolgenden Quellenauswertung offensichtlich.

...

Der schrittweise Verlust von Süd- und Mittelbabylonien

In offenkundigem Gegensatz zu der Darstellung in offiziellen Texten ist tatsächlich eine geographische Einschränkung des Königreiches, die sich in zwei Stufen vollzieht, zu beobachten: Zuerst muß sich Samsuiluna nach seinem 12. Regierungsjahr mit dem endgültigen Verlust der südlichen Region –- dem Gebiet von Larsa und Ur – abfinden; danach, nach seinem 30. Regierungsjahr, geht ihm auch Mittelbabylonien – das Gebiet von Nippur und Isin – verloren. Entsprechend nimmt die Zahl der Urkunden und Briefe in dieser Zeit drastisch ab.

...

Das Gebiet der syrischen Kleinstaaten

Während einer neueren Grabung im Nord-Westen des Landes – in Khirbet id-Diniyeh, dem antiken Haradum, schon im Gebiet der syrischen Kleinstaaten gelegen – fand man eine babylonische Kaufmannskolonie, die in spätaB Zeit am bedeutendsten war. Aufgrund ihrer Position bildete sie die nördliche Grenze des Landes Suhum. Die Stadtgründung ist wahrscheinlich zu Zeiten der Oberherrschaft Maris anzusetzen; ihr genauer Zeitpunkt bleibt allerdings unsicher. Ihre Funktion scheint jedoch die folgende zu sein: Durch die erhöhte Position der Anlage, verbunden mit der Stationierung von Soldaten, war eine Überwachung des Tals zugunsten des Handels zwischen Mesopotamien und Syrien nachhaltig gesichert.

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Die Kassiten

Die erste Jahresdatenformel, die von einer feindlichen Begegnung mit den Kassiten – Einwanderern aus dem Osten, d.h. dem heutigen Iran – berichtet, findet sich ebenfalls in der Regierungszeit des Samsuiluna. In seinem 9. Regierungsjahr kann er einen Sieg über sie verbuchen.

...

Der wirtschaftliche Verfall Südbabyloniens

Doch nicht ausschließlich aus politischen Gründen geht Südbabylonien dem Reich der 1. Dynastie von Babylon verloren; wirtschaftliche Faktoren haben höchstwahrscheinlich ebenso dazu beigetragen. Unabhängig davon, ob man der These einiger Wissenschaftler glauben will, der zufolge um 1700 v.Chr. aufgrund einer fortschreitenden Bodenversalzung der Weizenanbau im Süden ganz verschwindet und die Gersteerträge geringer werden, ist doch eine Beobachtung offensichtlich: Das ökonomische Zentrum verlagert sich bereits unter Hammurapi nach Norden.

...

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