Umschlag Gonnella/Kohlmeyer et al. - Zitadelle von Aleppo

Julia Gonella, Wahid Khayyata, Kay Kohlmeyer

Die Zitadelle von Aleppo und der Tempel des Wettergottes

2005, 120 Seiten, 164 Abbildungen (zumeist vierfarbig), broschiert
2005, 120 pages, 164 figures (mostly in full color), paperback

ISBN 978-3-930454-44-0
Preis/price EUR 24,–

21 × 23cm (B×H), 500g

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Kurzzusammenfassung / short summary

Aus dem Inhalt:
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Historischer Überblick
Rundgang
Ausgrabgungen im Tempel


Kurzzusammenfassung / short summary

Die hoch auf einem mit Steinen gepflasterten Burgkegel gelegene und von einem tiefen Graben geschützte Aleppiner Zitadelle gehört zu den mächtigsten islamisch-mittelalterlichen Befestigungsanlagen des gesamten Vorderen Orients. Die Geschichte des Burgberges geht jedoch weit in die altorientalische Zeit zurück. Die mittelalterliche-islamische Palaststadt verbirgt unter sich Kultbauten des 3. bis frühen 1. Jahrtausend v.Chr. Seit 1996 wurden von einem syrisch-deutschen Ausgrabungsteam die Reste eines Tempels freigelegt, der dem Wettergott von Aleppo geweiht war. Er spielte in Vorderasien eine Rolle, die in der abendländischen Welt dem Parthenon in Athen vergleichbar ist. Gleichzeitig wurden umfassende Forschungen zur mittelalterlichen Wehranlage und ihrer Infrastruktur durchgeführt. Die Ausgrabungen selbst erbrachten für das islamische Mittelalter ebenfalls wichtige neue Erkenntnisse.

Erstmals werden hier die Befunde dieser jüngsten Forschungen zur Zitadelle und ihrer altorientalischen Geschichte vorgelegt. Nach einem historischen Überblick wird die mittelalterliche Zitadelle in ihrem Aufbau mit ihren Gebäuden in einem Rundgang vorgestellt. Es folgen die Grabungsergebnisse bis 2004. Spezielles Augenmerk gilt dem bronze- und eisenzeitlichen Tempel und seiner außergewöhnlich qualitätvollen Reliefausstattung, die vollständig abgebildet wird. Sie zeigt neben dem Wettergott von Aleppo andere Götter, Mischwesen und apotropäische Figuren. Die Reliefs, die teils in das späte 2. Jahrtausend, teils in das frühe erste Jahrtausend datieren, gehören zu den bedeutendsten archäologischen Funden aus Syrien. Ein besonderer Fund sind die erst 2003 entdeckten überdimensionalen Reliefs mit dem kaum bekannten König Taitas vis-à-vis des Wettergottes, begleitet von einer luwischen Inschrift.

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Aus dem Inhalt:

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Inhaltsverzeichnis

EIN PERSÖNLICHES VORWORT

EINFÜHRUNG

HISTORISCHER ÜBERBLICK
Prähistorische Zeit
Frühsyrische Zeit
Alt- und mittelsyrische Zeit
Neusyrische Zeit
Achämenidische, hellenistische und römische Zeit
Byzantinische Zeit
Frühislamische Zeit
Aiyubiden
Mamluken
Osmanen
Französische Mandatszeit und Syrische Republik
RUNDGANG
Burgkegel und Glacis
Graben
Der untere Eingangsbau
Die Brücke
Die große, obere Eingangsbastion
Die mamlukischen Inschriften
Die figürlichen Reliefs
Die Eisentüren
Der überwölbte Aufgang
Das Zwischengeschoß
Die Geheimgänge
Das Heiligtum des Hidr
Das dritte Tor
Die Keller und der sogenannte »Persische Saal«
Das »Bad des Nur ad-Din Zangi«
Die untere Moschee
Die osmanische Wohnbebauung
Die obere Moschee
Die Kaserne
Der Brunnenschacht (satura)
Die Mühle und die osmanischen Häuser
Das Theater und ein aiyubidisches Gebäude
Die unterirdische Halle
Der Palast des al-Malik az-Zahir Gazi
Das Eingangsportal
Das Palastinnere
Das Bad
Das Arsenal
Der sogenannte »Tawasi-Palast«
Der mamlukische Turm
Das Brunnenhaus
Der Thronsaal
Gang um die Zitadelle
Die Ringmauer
Die ehemalige Stadtmauer
Die Süd- und die Nordbastion
DIE AUSGRABUNGEN IM TEMPEL DES WETTERGOTTES
Altorientalische Funde von der Zitadelle
Die neuen Ausgrabungen
Der Tempel des Wettergottes von Aleppo in altsyrischer Zeit
Neugestaltung um 1100 v.Chr.
Letzte Umgestaltung um 900 v.Chr. und der Reliefdekor der Podestmauer
Die letzte Grabungskampangne 2004
HINWEISE ZUR BENUTZUNG UND ANMERKUNGEN

LITERATUR

ABBILDUNGSNACHWEIS

GLOSSAR ZU VÖLKERN UND DYNASTIEN

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EINFÜHRUNG (Auszug)

Die Zitadelle ist das markanteste Wahrzeichen Aleppos. Hoch auf dem an den Flanken mit Steinen gepflasterten Burgkegel thront das mit zahlreichen Türmen verstärkte Bauwerk, welches nur über einen einzigen Zugang erreichbar ist: eine hohe, vielbögige Brücke, die den einst mit Wasser gefüllten Graben überspannt. Sie mündet in einen mächtigen Torbau, den Einlaß zur ehemals königlichen Oberstadt.

Wie kein anderes Monument in Syrien steht die Zitadelle bis zum heutigen Tag als Symbol arabischer Stärke und Selbstbewußtseins. In der Tat gehört diese größte und mächtigste aller islamisch-mittelalterlichen Burgen zu den wenigen Befestigungsanlagen, die während der Kreuzfahrerzeit nie in fränkische Hand wechselten – eine Tatsache, die die Aleppiner bis heute mit Stolz erfüllt. Ein Blick allein auf diese gewaltige Befestigungsanlage versetzt einen jeden Betrachter in allerhöchste Bewunderung, und es erstaunt kaum, daß schon die mittelalterlichen Reisenden von der Zitadelle als einem Weltwunder schwärmten.

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HISTORISCHER ÜBERBLICK (Auszug)

Im Norden Syriens gelegen, ist Aleppo heute mit ungefähr anderthalb bis zwei Millionen Einwohnern die zweitgrößte Metropole des Landes. Geopolitisch begünstigt durch die Lage an sich kreuzenden überregionalen Verkehrswegen, war die Stadt im Laufe ihrer Geschichte immer wieder Vermittlungspunkt zwischen den Reichen im Osten und Westen, im Norden und Süden. In altorientalischer Zeit beispielsweise überschnitten sich hier die Interessensphären der Hethiter aus Anatolien, der Hurri-Mittani aus Obermesopotamien und der Ägypter. Im frühen 1. Jahrtausend führten die Eroberungszüge der assyrischen Könige über die Gegend von Aleppo, auf ihrem Weg zu den an Bodenschätzen reichen Kleinstaaten Anatoliens, zu den westsyrischen Gebirgen mit ihren wertvollen Baumbeständen oder hinab nach Palästina und Ägypten.

Aus jüngeren historischen Epochen, zu denen die Quellen ausführlicher berichten, ist Aleppos für den Handel ideale Lage zwischen Euphrat und Mittelmeer detailliert nachzuvollziehen: so wurden hier während des osmanischen Großreiches Waren aus Indien, Iran und Europa umgeschlagen. Gewürze, Indigo und persische Rohseide trugen zum Reichtum der Stadt bei, doch auch der lokale Handel mit Woll- und Agrarprodukten spielte eine große Rolle. Das Hinterland war ausreichend mit Regen versorgt, der eine sichere Landwirtschaft ermöglichte, und in früheren Zeiten gab es auch genügend frisches Wasser, das der Quwaiq von Norden zur Stadt heranführte.

Immer wieder wird darauf verwiesen, daß Aleppo zu den ältesten durchgängig besiedelten Städten der Welt gehört. Der Nachweis dafür fällt allerdings schwer, denn durch die moderne Überbauung sind archäologische Untersuchungen kaum möglich. Für die Frühzeit sind wir daher auf die Forschungen in der näheren wie weiteren Umgebung Aleppos angewiesen.

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RUNDGANG (Auszug)

Burgkegel und Glacis

Als erstes fällt dem Besucher der markante, die Stadt beherrschende Burgkegel ins Auge, auf dem sich die Zitadelle rund 40m über der Stadt erhebt, hochwassergeschützt über der Flußebene des Quwaiq und mit weitreichender Sicht ins Umland. Der Hügel, dessen Plateau ungefähr 160 x 280m beträgt, ist teils natürlicher Fels, teils künstlichen Ursprungs, entstanden durch die Akkumulation von Bauschichten, die, wie man im Inneren der Zitadelle beispielsweise in einem unterirdischen Raum im Südosten nachmessen kann, eine Stärke bis zu 14m erreichen können. Diese Kombination eines durch die Überlagerung von Kulturschichten erhöhten, natürlichen Tafelberges findet man auch in den mittelsyrischen Städten Homs und Hama sowie in Qal`at Mudiq, dem antiken Apamea, oder in der kleinen Ortschaft Harim in der Nähe der türkischen Grenze. In allen drei Fällen wurde der einstige »Tall« im Mittelalter zu einer Befestigungsanlage ausgebaut.

Das jetzige Aussehen des Aleppiner Hügels geht auf den aiyubidischen Sultan al-Malik az-Zahir Gazi (reg. 1186–1216) zurück, der, wie im übrigen auch sein Vetter al-Muzaffar I. in Hama, die Zitadelle nach modernsten militärischen Gesichtspunkten völlig neu gestaltete und dabei den Hügel künstlich abarbeiten und mit Steinplatten pflastern ließ. Die militärischen Vorteile einer soliden, abgeschrägten Pflasterung (Glacis) liegen auf der Hand: sie erschweren dem Feind ein Erklimmen des Burgkegels und verhindern die Unterminierung der Mauern. Darüber hinaus bot die hochgelegte Mauer mit dem vorgesetztem Glacis aber auch besseren Schutz vor den neuartigen Wurfgeschütze, die dank beweglicher Gegengewichte deutlich schwerere Steinkugeln (bis zu rund 300kg) über wesentlich größere Entfernungen (bis 300m) schleudern konnten als die bislang üblichen Belagerungsmaschinen, die von Menschen an Stricken gezogenen werden mußten. Die neuen Modelle kamen im späten 12. Jahrhundert im Zuge der Auseinandersetzungen mit den Kreuzfahrern in Gebrauch und wurden von Gazis großem Rivalen, seinem Onkel al-Malik al-`Adil (reg. 1196–1201), erstmalig auch zur Verteidigung eingeführt, der aus diesem Grund die Damaszener Zitadelle ebenfalls vollständig erneuern und dabei mit wesentlich breiteren Türmen versehen ließ, um die neuen Wurfmaschinen besser zu positionieren.

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DIE AUSGRABUNGEN IM TEMPEL DES WETTERGOTTES (Auszug)

Auch dem eiligen Besucher wird auf dem Weg empor zur oberen Moschee ein tiefes Ausgrabungsloch gegenüber der Abraham-Moschee nicht entgangen sein, auf dessen Grund sich große Steinblöcke zu dem Mauerwinkel eines großen Gebäudes fügen, überdeckt von ungebrannten Lehmziegeln des einst aufgehenden Mauerwerks.

      

Hier forscht seit 1996 eine syrisch-deutsche Archäologengruppe auf der Suche nach der vorhellenistischen Geschichte Aleppos. Die Ausgrabungen können derzeit nicht besichtigt werden, zum einen aus Sicherheitsgründen, zum anderen, um die Fundsituation, insbesondere die ungebrannten Ziegel und die entdeckten Reliefs, vor Schäden zu bewahren, bis ein stabiler Schutzbau darüber errichtet ist. Ein Blick aus der Ferne über die Wegmauer und die hier publizierten Photos mögen den Besucher derweil trösten.

Bis zum Beginn der neuen syrisch-deutschen Ausgrabungen war umstritten, wo das Aleppo der altorientalischen Zeit zu suchen ist. Einige Forscher lokalisierten die vorhellenistische Siedlung im heutigen Stadtteil al-`Aqaba. Als Alternative wurde der Zitadellenhügel angenommen. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, ob seine Erhebung natürlichen Ursprungs oder durch die Überlagerung von Kulturschichten entstanden ist.

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