Markus Hilgert

Akkadisch in der Ur III-Zeit

Imgula
Band 5
Herausgegeben von Walter Sommerfeld

2002, 816 Seiten, broschiert
2002, 816 pages, paperback

ISBN 978-3-930454-32-7
Preis/price EUR 98,–

21 × 29,7cm (B×H), 2100g

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Kurzzusammenfassung / short summary

Aus dem Inhalt:
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zusammenfassung
Ausblick


Kurzzusammenfassung / short summary

Die herkömmliche Sichtweise der frühen akkadischen Sprachgeschichte ist durch zwei grundlegende Annahmen geprägt:

1. Die gesamte akkadische Überlieferung des dritten Jahrtausends v.Chr. (Präsargonisch-, Sargonisch-, Ur III-Akkadisch) bildet eine weitgehend homogene sprachliche Einheit, das sogenannte »Altakkadische«.

2. Als Resultat eines sprachgeschichtlichen »Bruchs« nach dem Ende der Ur III-Zeit (ca. 2000 v.Chr.) manifestieren sich zu Beginn des zweiten Jahrtausends v.Chr. die beiden Hauptdialekte des Akkadischen, Babylonisch und Assyrisch, erstmalig in den keilschriftlichen Textquellen.

»Akkadisch in der Ur III-Zeit« verfolgt das Ziel, dieses konventionelle sprachgeschichtliche Beschreibungsmodell kritisch zu überprüfen und durch ein deutlich modifiziertes, neuartiges zu ersetzen.

Grammatische Einzelanalysen und der sprachhistorische Vergleich erweisen das Akkadische der Ur III-Zeit als eine frühe Überlieferungsstufe des Babylonischen, die sich nur unwesentlich vom Altbabylonischen, jedoch grundsätzlich vom Sargonisch-Akkadischen unterscheidet. Damit ist die babylonische Sprachtradition nun lückenlos bis zum Ende der Akkade-Zeit zurückzuverfolgen.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Lexikon und Morphologie des Verbums ergänzt durch längere Exkurse zu Syllabar und Orthographie sowie zu weiteren, sprachgeschichtlich relevanten Teilbereichen der Grammatik. Zahlreiche namenstypologische und prosopographische Analysen dienen der Strukturierung des primär onomastischen Belegmaterials. Neben synoptischen Tabellen runden ein Belegstellenindex, eine Zeichenliste sowie ein ausführliches Register den Band ab.

* * *

Traditional theories on the early history of Akkadian are based on two general assumptions:

1. The Akkadian of the third millennium B.C., i.e. Presargonic-, Sargonic-, and Ur III-Akkadian, respresents a mainly homogenous linguistic entity which is generally referred to as »Old Akkadian.«

2. Coinciding with the end of the Ur III period around 2000 B.C., a significant discontinuity in the linguistic tradition marks the emergence of the two main dialects of Akkadian, Babylonian, and Assyrian in the cuneiform sources.

»Akkadisch in der Ur III-Zeit« is a critical review of this widespread conventional approach replacing it with a strongly modified, innovative view of the earliest stages of Akkadian and their subsequent development.

Detailed grammatical and comparative analyses show that Ur III-Akkadian is an early form of Babylonian closely related to Old Babylonian while differing significantly from the Akkadian of the preceding Sargonic period. As a consequence, the history and evolution of the Babylonian dialect can now be traced back to the beginning of the Ur III period.

Focusing primarily on the verbal morphology of Ur III-Akkadian, the study also includes extensive treatments of additionally pertinent areas of Akkadian grammar, such as the syllabary, orthography, and phonology. Numerous typological and prosopographical analyses help classify and interpret the mainly onomastic evidence. Synoptical charts, a glossary, a sign-list, as well as exhaustive indices complete the volume.

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Aus dem Inhalt:

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Abkürzungsverzeichnis
Literaturverzeichnis

I Einleitung

1 Thema und Zielsetzung
2 Forschungsgeschichte
3 Quellen
3.1 Akkadische Keilschrifttexte
3.1.1 Rechts- und Verwaltungsurkunden
3.1.2 Briefe
3.1.3 Beschwörungen
3.1.4 Herrscherinschriften
3.2 Sonstige Sprachzeugnisse
3.2.1 Akkadische Eigennamen
3.2.2 Exkurs: Orthographische Varianten
3.2.3 Exkurs: Sogenannte Sandhi-Schreibungen
3.2.4 Akkadische Lehnwörter
4 Methode
4.1 Vorbemerkung
4.2 Erfassung des Belegmaterials
4.3 Terminologie und Systematik
4.4 Dokumentation des Belegmaterials
4.5 Konventionen der Transliteration
5 Sprachgeschichtliche Einordnung
5.1 Syllabar und Orthographie
5.1.1 KVK-Silbenzeichen
5.1.2 KV- und VK-Silbenzeichen
5.1.3 Zur Aufgabe der Akkade-zeitlichen Orthographie
5.1.4 Die Mimation
5.1.5 Zusammenfassung
5.2 Verbalmorphologie
5.2.1 Verbalwurzeln
5.2.2 Konjugationsendungen und -präfixe
5.2.3 Die sogenannten Tempora des Verbums
5.2.4 Der Prekativ
5.2.5 Der Ventiv
5.2.6 Der Subjunktiv
5.2.7 Die Stammformen des Verbums
5.2.8 Zur Flexion der sogenannten schwachen Verben
5.2.9 Zusammenfassung
5.3 Ausblick
II Lexikon und Morphologie des Verbums
1 Das starke Verbum
1.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
1.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
1.3 Index der bezeugten Formen
1.4 Der Grundstamm (G)
1.4.1 Das Präsens
1.4.2 Das Präteritum
1.4.3 Der Imperativ
1.4.4 Das Partizip
1.4.5 Der Infinitiv
1.4.6 Das Verbaladjektiv
1.4.7 Der Stativ
1.5 Der Grundstamm mit tan-Infix (Gtn)
1.5.1 Das Präsens
1.5.2 Das Präteritum
1.5.3 Der Imperativ
1.6 Der Grundstamm mit ta-Infix (Gt)
1.6.1 Das Präteritum
1.7 Der Doppelungsstamm (D)
1.7.1 Das Präsens
1.7.2 Das Präteritum
1.7.3 Der Imperativ
1.7.4 Der Infinitiv
1.7.5 Das Verbaladjektiv
1.8 Der S-Stamm (S)
1.8.1 Das Präteritum
1.9 Der N-Stamm (N)
1.9.1 Das Präsens
1.9.2 Das Präteritum
1.9.3 Der Imperativ
1.10 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
1.10.1 Bildungstyp aPaRRaS
1.10.2 Bildungstyp aPRuS(-um)
1.10.3 Bildungstyp iPPaRRaS
1.10.4 Bildungstyp iPRuS(-um)
1.10.5 Bildungstyp mu(P)taRRiS
1.10.6 Bildungstyp Pa/eRiS(-um)
1.10.7 Bildungstyp PaRuS
1.10.8 Bildungstyp PaRiS(-um)
1.10.9 Bildungstyp PuRRuS(-um)
1.10.10 Bildungstyp uPaRRiS
1.10.11 Bildungstyp usaPRiS
1.10.12 Bildungstyp unklar
2 Die Verben primae Alef
2.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
2.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
2.3 Index der bezeugten Formen
2.4 Der Grundstamm (G)
2.4.1 Das Präsens
2.4.2 Das Präteritum
2.4.3 Das Perfekt
2.4.4 Der Imperativ
2.4.5 Das Partizip
2.4.6 Das Verbaladjektiv
2.4.7 Der Stativ
2.5 Der Doppelungsstamm (D)
2.5.1 Das Präsens
2.6 Der N-Stamm (N)
2.6.1 Der Stativ
2.7 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
2.7.1 Bildungstyp aRiSum
2.7.2 Bildungstyp aRiS(-ia, -um)
2.7.3 Bildungstyp iRuS(-um)
2.7.4 Bildungstyp nenRuSum
2.7.5 Bildungstyp uRRuS(-um)
2.7.6 Bildungstyp unklar
3 Die Verben mediae Alef
3.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
3.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
3.3 Index der bezeugten Formen
3.4 Der Grundstamm (G)
3.4.1 Das Präsens
3.4.2 Das Präteritum
3.4.3 Der Imperativ
3.4.4 Das Partizip
3.5 Der Doppelungsstamm (D)
3.5.1 Das Präsens
3.5.2 Das Partizip
3.6 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
3.6.1 Bildungstyp PaRiS(-anum)
3.6.2 Bildungstyp PuRRuSum
4 Die Verben ultimae Alef
4.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
4.2 Index der bezeugten Formen
4.3 Der Grundstamm (G)
4.3.1 Das Präteritum
4.3.2 Der Imperativ
5 Die Verben mediae geminatae
5.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
5.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
5.3 Index der bezeugten Formen
5.4 Der Grundstamm (G)
5.4.1 Das Präsens
5.4.2 Das Präteritum
5.4.3 Der Imperativ
5.4.4 Das Partizip
5.4.5 Der Stativ
5.5 Der Grundstamm mit tan-Infix (Gtn)
5.5.1 Das Präsens
5.6 Der Doppelungsstamm (D)
5.6.1 Das Präteritum
5.6.2 Das Verbaladjektiv
5.7 Der S-Stamm (S)
5.7.1 Das Präteritum
5.8 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
5.8.1 Bildungstyp PaRuS
5.8.2 Bildungstyp PaRiS(-i, -u, -um)
6 Die Verben primae Nun
6.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
6.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
6.3 Index der bezeugten Formen
6.4 Der Grundstamm (G)
6.4.1 Das Präsens
6.4.2 Das Präteritum
6.4.3 Das Perfekt
6.4.4 Der Imperativ
6.4.5 Das Partizip
6.4.6 Der Infinitiv
6.4.7 Der Stativ
6.5 Der S-Stamm (S)
6.5.1 Das Präsens
6.5.2 Das Präteritum
6.6 Der N-Stamm (N)
6.6.1 Das Präteritum
6.7 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
6.7.1 Bildungstyp iRRiS(-um)
6.7.2 Bildungstyp iRRuS(-um)
6.7.3 Bildungstyp PaRiS
6.7.4 Bildungstyp PaRiSum
6.7.5 Bildungstyp PuRRuSum
7 Die Verben primae w(a)- und Jod
7.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
7.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
7.3 Index der bezeugten Formen
7.4 Der Grundstamm (G)
7.4.1 Das Präteritum
7.4.2 Das Perfekt
7.4.3 Der Imperativ
7.4.4 Das Partizip
7.4.5 Der Stativ
7.5 Der Grundstamm mit tan-Infix (Gtn)
7.5.1 Das Partizip
7.6 Der Doppelungsstamm (D)
7.6.1 Der Imperativ
7.6.2 Das Verbaladjektiv
7.6.3 Der Stativ
7.7 Der S-Stamm (S)
7.7.1 Das Präsens
7.7.2 Das Präteritum
7.7.3 Der Imperativ
7.7.4 Das Verbaladjektiv
7.8 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
7.8.1 Bildungstyp PuRRuSu
7.8.2 Bildungstyp unklar
8 Die Verben mediae infirmae
8.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
8.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
8.3 Index der bezeugten Formen
8.4 Der Grundstamm (G)
8.4.1 Das Präsens
8.4.2 Das Präteritum
8.4.3 Das Perfekt
8.4.4 Der Imperativ
8.4.5 Das Verbaladjektiv
8.4.6 Der Stativ
8.5 Der Doppelungsstamm (D)
8.5.1 Das Präteritum
8.5.2 Der Infinitiv
8.5.3 Der Stativ
8.6 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
8.6.1 Bildungstyp iPiSum
8.6.2 Bildungstyp iPuS(-um)
8.6.3 Bildungstyp Pa'iS(-anum)
8.6.4 Bildungstyp PaS
8.6.5 Bildungstyp PiS
9 Die Verben ultimae infirmae
9.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
9.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
9.3 Index der bezeugten Formen
9.4 Der Grundstamm (G)
9.4.1 Das Präteritum
9.4.2 Das Perfekt
9.4.3 Der Imperativ
9.4.4 Das Partizip
9.4.5 Der Stativ
9.5 Der Grundstamm mit tan-Infix (Gtn)
9.5.1 Das Präsens
9.6 Der Doppelungsstamm (D)
9.6.1 Das Präteritum
9.7 Der S-Stamm (S)
9.7.1 Der Imperativ
9.8 Der S-Stamm mit ta-Infix (St)
9.8.1 Das Präsens
9.9 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
9.9.1 Bildungstyp iPaRRa
9.9.2 Bildungstyp iPaRRi
9.9.3 Bildungstyp PaRi
9.9.4 Bildungstyp PaRi
9.9.5 Bildungstyp taPRitum
9.9.6 Bildungstyp unklar
10 Doppelt schwache Verben
10.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
10.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
10.3 Index der bezeugten Formen
10.4 Der Grundstamm (G)
10.4.1 Das Präteritum
10.4.2 Der Imperativ
10.4.3 Das Partizip
10.4.4 Der Infinitiv
10.4.5 Das Verbaladjektiv
10.4.6 Der Stativ
10.5 Der Doppelungsstamm (D)
10.5.1 Das Präsens
10.5.2 Das Präteritum
10.5.3 Der Imperativ
10.6 Der S-Stamm (S)
10.6.1 Das Präteritum
10.6.2 Das Perfekt
10.6.3 Der Infinitiv
10.7 Sprachzeugnisse unklarer Deutung
10.8 Exkurs: (d)Su-den.zu als theophores Element
11 Unregelmäßige Verben
11.1 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
11.2 Korrekturen zu in MAD 3 gebuchten Lemmata
11.3 Index der bezeugten Formen
11.4 Der Grundstamm (G)
11.4.1 Das Präsens
11.4.2 Das Präteritum
11.4.3 Der Imperativ
11.5 Der Doppelungsstamm (D)
11.5.1 Der Imperativ
11.6 Der S-Stamm (S)
11.6.1 Das Präteritum
11.7 Der Reduplikationsstamm mit ta-Infix (Rt)
11.7.1 Der Infinitiv
12 Die vierradikaligen Verben
12.1 Bezeugtes Verb
12.2 Index der bezeugten Formen
12.3 Der S-Stamm (S)
12.3.1 Das Präsens
12.3.2 Das Präteritum
III Dokumentation
1 Tabellarische Synopse
1.1 Der Grundstamm (G)
1.1.1 Das Präsens
1.1.2 Das Präteritum
1.1.3 Das Perfekt
1.1.4 Der Imperativ
1.1.5 Das Partizip
1.1.6 Der Infinitiv
1.1.7 Das Verbaladjektiv
1.1.8 Der Stativ
1.2 Der Grundstamm mit tan-Infix (Gtn)
1.2.1 Das Präsens
1.2.2 Das Präteritum
1.2.3 Der Imperativ
1.2.4 Das Partizip
1.3 Der Grundstamm mit ta-Infix (Gt)
1.3.1 Das Präteritum
1.4 Der Doppelungsstamm (D)
1.4.1 Das Präsens
1.4.2 Das Präteritum
1.4.3 Der Imperativ
1.4.4 Das Partizip
1.4.5 Der Infinitiv
1.4.6 Das Verbaladjektiv
1.4.7 Der Stativ
1.5 Der S-Stamm (S)
1.5.1 Das Präsens
1.5.2 Das Präteritum
1.5.3 Das Perfekt
1.5.4 Der Imperativ
1.5.5 Der Infinitiv
1.5.6 Das Verbaladjektiv
1.6 Der S-Stamm mit ta-Infix (St)
1.6.1 Das Präsens
1.7 Der N-Stamm (N)
1.7.1 Das Präsens
1.7.2 Das Präteritum
1.7.3 Der Imperativ
1.7.4 Der Stativ
1.8 Der Reduplikationsstamm mit ta-Infix (Rt)
1.8.1 Der Infinitiv
1.9 Alphabetische Liste der bezeugten Verben
2 Index der Korrekturen zu MAD 3
3 Anhang A: Belegstellenindex
3.1 Allgemeine Hinweise
4 Anhang B: Zeichenliste
4.1 Allgemeine Hinweise
4.2 Zeichenliste
5 Anhang C: Register
5.1 Allgemeine Hinweise
5.2 Sachregister
5.3 Akkadisch (diverse Epochen)
5.4 Sargonisch-Akkadisch
5.5 Sumerisch (diverse Epochen)
5.6 Elamisch
5.7 Hurritisch
5.8 Wurzelmorpheme
5.9 Eigennamen (diverse Epochen)
5.9.1 Akkadisch
5.9.2 Amurritisch
5.9.3 Sumerisch
5.9.4 Elamisch
5.9.5 Hurritisch
5.9.6 Altsüdarabisch
5.9.7 Zuordnung unsicher
5.10 Namenstypen und -elemente
5.10.1 In Transliteration
5.10.2 In Transkription
5.11 Syllabar
5.11.1 Lautwerte
5.11.2 Zeichen
5.12 Texte in Auswahl (diverse Epochen)

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Einleitung (ohne Anmerkungen oder Diakritika)

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Thema und Zielsetzung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, die sprachgeschichtliche Stellung des Akkadischen der Ur III-Zeit (nach der mittleren Chronologie 2112–2004 v.Chr.) innerhalb der historischen Grammatik des Akkadischen zu bestimmen. Im Vordergrund stehen dabei die umfassende Dokumentation und grammatikalische Analyse derjenigen Sprachzeugnisse, die es uns erlauben, Aussagen zu Lexikon und Morphologie des Verbums im Akkadischen der Ur III-Zeit zu machen. Ausgehend von der Behandlung des Verbalkomplexes werden darüberhinaus auch solche Teilbereiche der akkadischen Grammatik beleuchtet, in denen sich charakteristische, sprachgeschichtlich relevante Merkmale des Ur III-Akkadischen beschreiben lassen und denen daher im Rahmen der Zielsetzung dieser Untersuchung eine besondere Bedeutung zukommt. Bei diesen Teilbereichen handelt es sich in erster Linie um die Nominalflexion, die Partikeln, die Syntax sowie Syllabar und Orthographie. Hier mußte jedoch auf eine vollständige Dokumentation und Erörterung der entsprechenden Sprachzeugnisse verzichtet werden, da ein solches Unterfangen den inhaltlichen und äußeren Rahmen dieser Studie bei weitem gesprengt hätte.

Eine eingehende Untersuchung des Ur III-Akkadischen, die wesentlich auf die Beschreibung und Erörterung von Detailproblemen ausgerichtet ist, scheint gegenwärtig auf der Grundlage folgender Feststellungen dringend geboten:

1. Das Akkadische der Ur III-Zeit ist als eigenständige Sprachstufe des Akkadischen noch nie monographisch behandelt worden. Es gehört damit nicht nur zu den am unzureichendsten dokumentierten Sprachstufen und Dialekten des Akkadischen allgemein, sondern es ist auch in seiner Bedeutung für das Verständnis der diachronen akkadischen Sprachentwicklung eine nahezu unbekannte Größe.

2. Seit der letzten umfassenden Bestandsaufnahme zum Akkadischen des dritten Jahrtausends durch Ignace J. Gelb vor über vier Jahrzehnten hat sich die Zahl der Ur III-zeitlichen Textquellen mehr als verdreifacht. Von entscheidender Bedeutung ist dabei, daß sich unter den seither neu hinzugekommenen Keilschrifttexten eine beträchtliche Anzahl von Verwaltungsurkunden befindet, die aus Nord- bzw. Mittelbabylonien stammen und die einen vergleichsweise hohen Anteil an akkadischen Eigennamen, Lehnwörtern und Syntagmen aufweisen. Mit ihnen ist auch die Gruppe der ausschließlich in syllabischem Akkadisch abgefaßten Texte signifikant angewachsen.

Die Erforschung des Akkadischen der Ur III-Zeit sieht sich so einer sprachlichen Quellenlage gegenüber, die sich seit den seinerzeit wegweisenden Arbeiten Gelbs quantitativ und qualitativ ganz wesentlich verbessert hat und die dadurch der schrittweisen Rekonstruktion von Lexikon und Grammatik neue Dimensionen eröffnet.

3. Die akkadistische Forschung der vergangenen zwei Jahrzehnte hat bahnbrechende Erkenntnisse zu denjenigen Sprachstufen des Akkadischen gewonnen, die dem Akkadischen der Ur III-Zeit unmittelbar vorausgehen bzw. folgen. Im Lichte dieser neuesten Forschungsergebnisse zum Akkadischen der vorhergehenden sargonischen Epoche und den frühen Entwicklungsstufen des Altbabylonischen, die sich chronologisch nahezu lückenlos an die Zeit der Dritten Dynastie von Ur anschließen lassen, ist die Erschließung und sprachgeschichtliche Einordnung des Ur III-Akkadischen zu einem besonderen Desiderat der Akkadistik geworden.

Das leidige Fehlen einer solchen umfassenden Untersuchung zum Akkadischen der Ur III-Zeit ist daher auch gerade in der einschlägigen Fachliteratur der jüngsten Vergangenheit wiederholt und prononciert zur Sprache gebracht worden. Auf der Grundlage der bereits geleisteten, exzellenten Vorarbeiten zur Grammatik des Sargonisch-Akkadischen einerseits und des Archaisch-Altbabylonischen andererseits scheint es nun besser denn je zuvor möglich, das Akkadische der dazwischenliegenden Periode in angemessener Weise zu erschließen und die ihm zukommende Stellung innerhalb der frühen akkadischen Sprachgeschichte erstmals eindeutig zu definieren.

Um der besonderen sachlichen und methodischen Problematik Rechnung zu tragen, die mit einer monographischen Behandlung des Ur III-Akkadischen verbunden ist, erscheint es angebracht, im folgenden detailliert auf Aspekte der Forschungsgeschichte zum älteren Akkadischen, Umfang und Charakter des ausgewerteten Quellenmaterials sowie die hier angewendete Methode einzugehen. In einer Zusammenfassung der in dieser Arbeit erzielten Ergebnisse wird daran anschließend die sprachgeschichtliche Stellung des Ur III-Akkadischen erörtert.

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Zusammenfassung (ohne Anmerkungen oder Diakritika)

Auf der Grundlage des zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügbaren Belegmaterials und dem daraus gewonnenen Befund zur Verbalmorphologie läßt sich für die sprachgeschichtliche Einordnung des Akkadischen der Ur III-Zeit folgendes Fazit ziehen:

  • Bei der in der Ur III-Zeit primär verschrifteten semitischen Sprache handelt es sich um eine frühe Überlieferungsstufe des Babylonischen, die sich grundlegend von dem Akkadischen der vorausgehenden sargonischen Epoche unterscheidet. Diesen Sachverhalt veranschaulicht besonders deutlich die Flexion der sogenannten schwachen Verben, die mit Ausnahme der Vokalkontraktion bereits konsequent die typischen Eigenheiten der entsprechenden altbabylonischen Verbalparadigmata aufweist. Überdies besitzt das Ur III-Akkadische nach gegenwärtigem Kenntnisstand keinerlei lexikalische oder grammatikalische Merkmale, die charakteristisch für das Assyrische sind.
  • Das Akkadische der Ur III-Zeit verfügt über zahlreiche wesentliche Gemeinsamkeiten mit dem Archaisch-Altbabylonischen der Briefe aus Esnunna, ist aber in Einzelaspekten der Morphologie mit dem »klassischen« Altbabylonischen näher verwandt als das Archaisch-Altbabylonische. Beispielhaft verdeutlichen dies die Flexion der Verben primae Alef mit Umlaut sowie die Bildung des Subjunktivs auf /-u/. Zudem ist die Bildung der dritten Person Singular Femininum mit /t-/ im Präfixanlaut ebenso wie der Dual außerhalb von Eigennamen nicht mehr produktiv. Das Akkadische der Ur III-Zeit ist damit als unmittelbarer Vorläufer des Altbabylonischen anzusprechen.
  • Zu den wesentlichen Unterschieden, die das Akkadische der Ur III-Zeit vom Altbabylonischen trennen, gehören Umfang und Eigenart des verwendeten Syllabars, das augenscheinliche Fehlen eines vereinheitlichten Schriftsystems sowie der Umstand, daß die Kontraktion von Vokalen in Kontakstellung noch nicht eintritt.

Ausblick

Folgt man der hier vertretenen These, das Akkadische der Ur III-Zeit sei entwicklungsgeschichtlich als einer der unmittelbaren Vorläufer des Altbabylonischen zu verstehen, so gelangt man nahezu zwangsläufig zu der Frage, welche Konsequenzen sich aus diesem Ansatz für unser Verständnis der älteren akkadischen Sprachgeschichte insgesamt ergeben. Hier ist zunächst zu konstatieren, daß nach dem gegenwärtigen Forschungsstand das Ur III-Akkadische die chronologisch früheste klar zu beschreibende Entwicklungsstufe des Babylonischen darstellt, die sich allerdings, wollte man auf der Ebene größerer und umfassender sprachgeschichtlicher Zusammenhänge argumentieren, nur unwesentlich vom Altbabylonischen unterscheidet. Sollte man darüberhinaus nicht fehlgehen in der Einschätzung, daß die zu beobachtenden Unterschiede zu einem nicht unbeträchtlichen Teil in den divergierenden Konventionen der Verschriftung der gesprochenen Sprache liegen, sieht man sich dem überraschenden Bild einer mehr oder minder stringenten sprachlichen Kontinuität gegenüber, die sich in Keilschrifttexten aus weiten Teilen des antiken Zweistromlandes vom Ende des dritten Jahrtausends bis in die spätaltbabylonische Zeit hinein widerspiegelt.

Gewiß wird die sprachliche Realität vielseitiger, uneinheitlicher und stärkeren dialektalen Einflüssen unterworfen gewesen sein, als dies in den überlieferten Quellen zum Ausdruck kommt oder gegenwärtig erkannt werden kann. Gleichzeitig ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, daß die konventionell als »Altbabylonisch« bezeichnete Entwicklungsstufe des Akkadischen in ihren charakteristischen sprachlichen Eigenheiten uns bereits kurz nach dem Zusammenbruch des Reiches von Akkade als das primär verschriftete Akkadische in Keilschrifttexten unterschiedlicher Provenienz entgegentritt. Es muß nicht eigens betont werden, daß sich damit die in der akkadistischen Forschung traditionell praktizierte Unterteilung der älteren akkadischen Sprachgeschichte in das »Altakkadische«, d.h. die akkadische Überlieferung der präsargonischen, sargonischen und Ur III-Zeit, einerseits und das Altbabylonische und Altassyrische andererseits als nicht sachgerecht und daher hinfällig erweist. Denn während gegenwärtig die Entwicklungsstufen des Babylonischen bis zu Beginn der Ur III-Zeit zurückverfolgt werden können, bleibt die Frage, ob und in welchem Umfang die direkten sprachlichen Vorläufer des Altassyrischen in Keilschrifttexten des ausgehenden dritten Jahrtausends aus Mesopotamien nachweisbar sind, weiterhin ungeklärt.

Impliziert die hier vorgetragene sprachgeschichtliche Bewertung des Ur III-Akkadischen auch zwangsläufig, daß es sich dabei, wie Robert Whiting angenommen hat, um den Beginn der altbabylonischen Sprachtradition handelt und daß die entscheidende sprachliche Diskontinuität nicht am Ende der Ur III-Zeit, sondern vielmehr nach dem Zusammenbruch des Reichs von Akkade anzusetzen ist? Diese Frage läßt sich vor dem Hintergrund unserer derzeitigen Kenntnis der älteren akkadischen Sprachgeschichte nur teilweise beantworten.

So ist sicher unbestritten, daß man zwischen der schriftlichen Überlieferung des Akkadischen in der sargonischen Epoche und derjenigen in der Ur III-Zeit einen massiven Einschnitt anzunehmen hat. Zu klären wäre allerdings, welcher Natur dieser Einschnitt war, ob in ihm tatsächlich eine sprachliche Diskontinuität zu sehen ist oder möglicherweise eher der Verfall überkommener Schreibkonventionen, die der Verschriftung eines zu Beginn der Ur III-Zeit nicht mehr allgemein verbreiteten oder bekannten Idioms dienten und daher aufgegeben wurden. In letzterem Fall ließe sich über das Problem einer sprachlichen Kontinuität oder Diskontinuität am Ende der Akkade-Zeit lediglich spekulieren.

Walter Sommerfeld hat die These aufgestellt, daß es sich bei dem in der Akkade-Zeit primär verschrifteten Dialekt um eine von den Herrschern dieser Epoche eingeführte und weiter verwendete Amtssprache handelt, die, ursprünglich Dialekt eines Randgebietes, identisch war mit der Muttersprache dieser Herrscher, und daß diese Sprache sich erheblich von den regionalen Umgangssprachen unterschied, die gleichzeitig gebräuchlich waren, jedoch in den Akkade-zeitlichen Keilschrifttexten nur in ganz eingeschränktem Maße greifbar sind.

Sollte Sommerfelds Ansatz zutreffen, so ist nicht auszuschließen, daß sich in denjenigen akkadischen Texten der sargonischen Epoche, die »unorthographisch« geschrieben sind oder nichthochsprachliche Elemente aufweisen, Sprachformen finden werden, die der nun bis in die Ur III-Zeit hinein verfolgbaren altbabylonischen Sprachtradition zuzurechnen sind. In diesem Falle wäre das Ur III-Akkadische lediglich die gut bezeugte Fortsetzung, nicht aber der Beginn dieser altbabylonischen Sprachtradition. Nur die zukünftige Forschung zu Morphologie und orthographischem System des Sargonisch-Akkadischen sowie den synchron dazu bezeugten Sprachformen, die Divergenzen von dem standardisierten Sprachbefund aufweisen, werden in diesem Punkt endgültige Klarheit schaffen können.

Aus diesen, einstweilen spekulativen Überlegungen erhellt auch, daß sich die Frage, ob das Akkadische der Ur III-Zeit als »missing link« zwischen dem Sargonischen und dem Altbabylonischen zu begreifen sei, letztlich als gegenstandslos und hinfällig erweisen könnte. Dieser Fall würde genau dann eintreten, wenn sich demonstrieren ließe, daß man trotz der offensichtlichen Diskontinuität in der Verschriftung des Akkadischen zwischen dem Beginn der sargonischen und dem Ende der altbabylonischen Epoche dennoch zumindest für das Babylonische von einer prinzipiellen sprachlichen Kontinuität innerhalb dieses Zeitraums auszugehen hat.

Daran anschließend müßte sicherlich auch das Akkadische der präsargonischen Epoche einer erneuten sprachgeschichtlichen Evaluierung unterzogen werden.

Zu den Desideraten der Akkadistik gehört jedoch nicht nur, das Verhältnis des Ur III-Akkadischen zum Akkadischen der vorausgehenden Epochen exakter zu bestimmen. Vielmehr erscheint es zudem wünschenswert, eine klare Vorstellung von denjenigen sprachgeschichtlichen Entwicklungen zu gewinnen, die die augenfälligen Diskrepanzen zwischen Grammatik und Orthographie des Archaisch- und Früh-Altbabylonischen einerseits und beispielsweise dem Altbabylonischen der Hammurapi-Zeit andererseits bedingen. Auch hier werden nur detailorientierte Untersuchungen zu individuellen Textgruppen der graduellen Rekonstruktion der frühen akkadischen Sprachgeschichte dienlich sein können. Es steht daher zu erwarten, daß gerade auch mit einer Verbesserung der Beleglage für einzelne frühe Überlieferungsstufen die zukünftige akkadistische Forschung zur Sprachgeschichte des dritten und beginnenden zweiten Jahrtausends zu einem der gewinnbringendsten und überraschungsträchtigsten Teilbereiche der Altorientalistik gehören wird.

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